Dress for Success: Der Deutsche mit dem dicken Hals

Dress for Success
Der Deutsche mit dem dicken Hals

Immer mehr Menschen tummeln sich in virtuellen Umkleidekabinen. Das führt zu Anpassungsschwierigkeiten. Deshalb wird Mann vermessen.
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Bald ist wieder Fußball-Weltmeisterschaft, im Juni in Brasilien. Wer oder was entscheidet über den Sieg? Das Talent des Trainers, die Stärke der Spieler, die Trikots von Adidas oder was? Im Spitzensport kommt es ja oft auf Millimeter und -Sekunden an, beim Fußball auf die Beinarbeit an, im Tor zählt auch schon mal die Armlänge. Und da sind uns die Brasilianer um ein paar (entscheidende?) Zentimeter voraus.

Denn, das belegt eine aktuelle Studie von Fit’s me, einem Anbieter von virtuellen Umkleidelösungen, in dem der deutsche Mann nicht gerade die beste Figur macht. Er hantiert im internationalen Vergleich mit relativ kurzen Ärmchen (81,8 Zentimeter). Der Brasilianer langt dagegen mit 84,8 Zentimetern zu. Hinzu kommt, dass der Deutsche auch noch  einen besonders dicken Hals hat, sein Hemdkragen muss 41 Zentimeter umrunden. Als wenn das nicht schon beschämend genug wäre: Der stolze Germane steht mit 181,7 Zentimeter Körperlänge gerade mal auf Platz 11 im internationalen Ranking. Selbst die Kroaten überragen ihn – wenn auch nur um ein paar Millimeter.

Schwacher Trost für den gernegroßen Mann: Die deutsche Frau belegt mit ihren 168,9 Zentimetern Körpergröße international nur den 11. Platz und ist damit kleiner als die Durchschnitts-Chinesin (171 Zentimeter) und die Türkin (171,4 Zentimeter).

Alles nur Durchschnittswerte. Fits.me hat sie anonym in seinen virtuellen Umkleidekabinen ermittelt. Dort geben Online-Kunden ihre Maße und Masse ein, um zu sehen, ob ihnen das ausgewählte Kleidungsstück auch passt. Untersucht wurden im Dezember vergangenen Jahres Angaben aus von 379 000 Männern (davon 18 000 aus Deutschland) und 200 000 Frauen

(41 000 Deutsche) aus 50 Ländern.

Nach der Erfahrung von Fits.me – auch mit Kunden Hugo Boss, Barbour by Mail, Mexx oder QVC – haben sechs von zehn Online-Shopper Probleme mit unterschiedlichen Größenstandards. Und damit auch die Anbieter mit hohen Retouren-Quoten. Hier soll eine virtuelle Umkleidetechnologie helfen. Dabei werden auf automatisierten Ankleidepuppen gleich mehrere Konfektionsgrößen und Proportionen simuliert. So kann der Kunde sich leichter vorstellen, ob und wie ihm das ausgewählte Kleidungsstück steht. Und die Mode-Anbieter kriegen nicht länger einen langen Hals angesichts der vielen Retouren, die den Gewinn schmälern.

Dem deutschen Durchschnittsmann sei angesichts seines etwas plumpen Abschneidens in der virtuellen Umkleidekabine zum Trost versichert, dass es schließlich ja auch noch auf andere Werte ankommt, als auf lange Arme und schlanke Hälse. Dafür wurden schon ganz andere Typen gescannt. Und zwar schon viel, viel  früher. Der Homo neanderthaliensis beispielsweise, der wissenschaftlich betrachtet nicht ganz unschuldig sein dürfte an unserer heutigen Statur. Der hatte hinter seiner ausgeprägten Hinterhauptwulst ein Gehirnvolumen von 1200 bis 1750 Kubikzentimetern. Das war mit durchschnittlich rund 1400 Kubikzentimeter sogar etwas mehr als beim heutigen modernen Mann.

Gedeutet wird das als Folge seines insgesamt kräftigeren Körperbaus unseres Vorläufers. Vielleicht lag es aber auch daran, dass der Neandertaler, um irgendwie zu überleben, nicht pausenlos der neuesten Mode hinterher jagen musste. Im genügte noch sein dickes Fell.

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

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