Dress for Success
Der Papst trägt nicht Prada

Schon bei seinem ersten Auftritt auf der Loggia des Petersdoms machte der schlanke Papst Franziskus eine „Bella Figura“. Eine Stil-Ikone wie Vorgänger Benedikt XVI. wird der Argentinier Jorge Mario Bergoglio modisch aber wohl nicht werden, lässt schon sein Name vermuten.
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DüsseldorfRom, früher Abend, die Soutane sitzt. Das war, als wir Papst wurden, zumindest anfangs noch nicht so. Man konnte es vor etwa acht Jahren zwar auf den ersten Blick vom Petersplatz oder vom Fernsehsessel aus nicht so genau sehen, aber das prächtige weiße Gewand mit den 33 Knöpfen für die Lebensjahre Jesu war zu kurz beim ersten Auftritt Benedikts.

Nun werden vor einer Papstwahl von Gammarelli, dem offiziellen Ausstatter des Heiligen Vaters, vorsorglich Outfits in drei Größen angefertigt und bereit gelegt, doch mit der Größe des Auserwählten hatte dazumal offensichtlich niemand so recht gerechnet. Auch nicht, dass Papa Ratzinger, wie ihn die Italiener bald liebevoll nannten, zu einer Art Stil-Ikone unter den Kirchenoberhäuptern und damit Vorbild für manchen klerikalen Kollegen werden würde.

Ob es wegen des zu kurzen Gewands war, weiß man nicht. Aber schon bald nach Benedikts Amtsantritt ging das Gerücht rum, er wolle lieber seinen Leibschneider Rainardo Mancinelli aus den modisch schwarzen Tagen seiner Kardinals-Karriere behalten. Nix da. Es blieb bei Gammarelli.

Dennoch leistete sich Benedikt so manchen neckischen Ausreißer im strengen vatikanischen Dress-Code. Er hatte in Modefragen seinen eigenen Kopf. Den bedeckte er nicht nur mit dem weißen Scheitelkäppchen oder der Camaura, der hermelinbesetzten Fellmütze, sondern auch schon mal mit einer weißen Baseballkappe.

Benedikt liebte Verzierungen wie Goldstickereien und Pelzpaspeln an seinen Gewändern. Dafür liebten ihn die Modemacher und zitierten ihn in ihren Kollektionen mit Paspeln, Troddeln, Kreuzmotiven. Das US-Männermagazin verlieh dem Papst sogar den Titel „Accessoire-Träger des Jahres“.

Nun hatte Papst Benedikt mit seinem persönlichen Sekretär Georg Gänswein ja auch offensichtlich einen exzellenten Mode-Berater. Der „George Clooney des Vatikans“ gab an seiner Seite immer eine gute Figur ab.

Der – für viele überraschende - neue Papst Franziskus soll ja ein Muster an Bescheidenheit sein. Der Erzbischof von Buenos Aires und Primas Argentiniens zeichnete sich bisher eher durch Unauffälligkeit aus. Bei ihm kommt wohl niemand auf die Idee, der Papst trüge Prada. Den Teufel wird er tun.

Doch das Gerücht hält sich hartnäckig um die schicken roten nahtlosen Kalbslederschuhe des Pontifex Maximus, sie stammten aus dem Modehaus Prada. Dabei ist es längst dementiert. Die Fußbekleidung, die den Papst mit der Erde verbindet, fertigt der päpstliche Schuhmacher Adriona Stefanelli aus Novara im Piemont. Das tut er sicher auch für den neuen Papst.

Der bescheidene Franziskus könnte mit seiner Figur sogar Sachen von der Stange tragen. Dazu wird es wohl kaum kommen. Mit Veränderungen, nicht nur modischen, tut sich der Vatikan bekanntlich seit jeher schwer.

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

Kommentare zu " Dress for Success: Der Papst trägt nicht Prada"

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  • Merci für die feine Glosse - amüsante Lektüre.
    Sollten lediglich Modefragen seine Amtszeit begleiten wäre er zu beneiden.
    Nun, wo allerdings selbst Handelsblatt-Online Expertise und Interesse an solchen Fragen aufwendet, dürfen wir alle vlt. gewiß sein dass Papst Franziskus zumindest in Kleidungsfragen una bella figura geben wird.

    Dass es meist "Anwälte der Armen" der Erde sind, die dem Publikum dabei zu helfen haben, jene Suppen auszulöffeln, die in den Palästen der Welt angerichtet werden, könnte da fast schon wieder in Vergessenheit geraten.

    Ob mit diesem Signal bessere oder schlechtere Zeiten der Welt vorbereitet werden - es wird sich zeigen.

  • Lieber Maddin, auch mich interessiert es! Schön ist aber, dass Sie den Artikel für sooo überflüssig halten, sich aber dennoch die Zeit nehmen darüber einen Kommentar zu verfassen.
    Ich empfehle das Mausrad...einfach weiter scrollen..

  • Dress for success? Mode des Papstes?

    Wann darf man mit derartigen primitiven Hetzartikeln über das Judentum rechnen? Selbstkritik ist immer besser, als nur andere mit Dreck zu bewerfen.

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