Dress for Success
Der passende Schuh dazu

Für den ersten Auftritt gibt es bekanntlich keine zweite Chance. Dabei ist der Schuh die Basis des Business-Dress. Nicht nur Personalchefs achten darauf.
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DüsseldorfTun Sie’s auch! Schon bei der ersten Anprobe: Haben die Zehen Spielraum? Drückt die Ferse? Schwitzt der Fuß? Der Stresstest für den guten Schuh bezieht sich nicht nur auf die äußere Erscheinung, sondern auch auf  innere Werte. Auch bei Liebe auf den ersten Blick zu einem schicken Modell: Gehen Sie nicht gleich mit dem Fuß rein, sondern tasten Sie mit den Fingerspitzen in sein Inneres. Bei einem guten, am besten auf Maß gearbeitetend Schuh fühlen Sie die Form des Fußes im Schuh. Den wahren wohltuenden Unterschied zum Einheitstreter spüren Sie, wenn Sie hineinschlüpfen –  ähnlich wie beim Zufallen einer Autotür, die sich auch bei einem Mercedes anders anhört als bei einem Modell der unteren Mittelklasse. Plopp – der Fuß fluppt rein, die Luft geht raus. Das Leder sitzt wie eine zweite Haut. 

So soll’s sein. Auch bei der Limited Edition von John Lobb, dem „Schuhmacher der Könige“. Der wusste schon Mitte des 19. Jahrhunderts wie Marketing geht. Unaufgefordert schickte er dem Prince of Wales ein Paar Reiterstiefel im Lederkarton. Der war davon so angetan, dass er Lobb prompt zum königlichen Schuhmacher ernannte. 

Heute gehört die noble Manufaktur zum Pariser Luxuslabel Hermes. Deren Schuster bleiben bei Lobbs Leisten. Dass die Chefdesigner von Hermes dazu passende Gürtel entwerfen, ist gerade noch gestattet. 

Und immer pünktlich am 25. Oktober zum Tag der Schutzpatrone der Schumacher, Sattler und Gerber, Crispinus und Crispinianus, tritt ein neues Paar auf, 1000 durchnummerierte Sondermodelle. Das Modell 2011 ist ein so genannter Monk, ein schicker Schnallenschuh aus einem Stück feinsten Kalbleders und laut Premium-Schuhhändler Herkenrath, der gerade in Düsseldorfs nobler Carlstadt eine neue Dependance eingerichtet hat, schon jetzt der Renner. Kostenpunkt: 1450 Euro. 

Dabei kommt Farbe auf leisen, handgenähten Sohlen. Kroko in Nachtblau. Senfgelb ist John Lobbs Signalfarbe, auch für Galoschen, Überschuhe für empfindliche Fußbekleidung. Waren noch vor gut zehn Jahren drei Viertel der verkauften Herrenschuhe schwarz, so sind es inzwischen noch 45 Prozent. Bei der italienischen Luxusmarke Santoni, die ihre Schuhe samt Zubehör und Pflege in feinen Kistchen anbietet, ist das eine aufwendige Sache. Die Farbe wird in mehreren Schichten über dem Naturton aufgetragen. 

Der Schuh als Kunstwerk und Schrittmacher für die Karriere. Beruflich wie privat. Nicht nur Personalchefs beurteilen eine gepflegte Erscheinung (oder das Gegenteil) nach einem Blick auf die Fußbekleidung. Auch Frauen. Möglicherweise geht ja darauf sogar die rheinische Redensart für einen reichen Mann zurück „Der hätt wat an de Föss.“

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

Kommentare zu " Dress for Success: Der passende Schuh dazu"

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  • Absolut zutreffende Aussagen, die in diesem Artikel getätigt werden und die können wir natürlich nur gerne unterschreiben. Doch es muss tatsächlich kein Schuh für über 1000 Euro sein um einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen.

    Rahmengenähte Herrenschuhklassiker der Mittelklasse, die in ihrer Haltbarkeit den Luxusschuhen in nichts nachstehen, sind für erste Erfahrungen auf diesem Gebiet durchaus zu empfehlen. Wer damit zufrieden ist und über das nötige Kleingeld verfügt, der kann dann zum - deutlich teureren - Maßschuh greifen.

    Shoepassion.com

  • Mit senfgelben Galoschen für 1450 Tacken zum Bewerbungsgespräch aufgelaufen und abgelehnt worden? Möglicherweise dachte der Personalchef: "Der hätt wohl wat am Kopp"?

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