Dress for Success
Die Mode vor dem Sturm

Der Orkan Xaver stürmt durch die Lande! Er fegt Mützen vom Kopf, lässt Mäntel wehen, Schuhsohlen erweichen und zerzaust Trend-Frisuren. Hochsaison für Funktions-Klamotten
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Eigentlich gibt es ja kein schlechtes Wetter, nur unangemessene Kleidung. Coole Weisheit. Genauso wie: Doppelt hält besser - weil man fürs Dress for Success im Business am besten mehrere Schichten braucht: Den Business-Anzug und die Schutzkleidung drüber. Solch ein dickes Fell im Alltag schützt auch vor dem widerlichen Windchill, diesem kolossalen Unterschied zwischen der wahren und der gefühlten Temperatur. Wie kalt uns da jetzt ums Herz wird, hängt vor allem von Xavers Windgeschwindigkeit ab. Und das sollen bis über hundert Sachen sein.

Passionierte Nordsee-Urlauber holen jetzt einfach ihre Ferien-Friesennerze raus, die mit der festen Kapuze, den geräumigen Pattentaschen und den stabilen Druckknöpfen. Oder den Polar-Coat von der letzten Hurtigroute. Und schon sind sie gewappnet gegen Wind und Wetter. Da bleibt nicht nur der Humor trocken. Der olle Ostfriese weiß auch, wie er seinen Kopf schützt: mit einem klassischen Südwester, diesem absolut wasserdichten Zwitter zwischen Hut und Mütze: Kordelzug am Kopf und Kinnband unterm Hals, dazu noch mit Fleece gefütterter Ohrenschutz. Brillenträger wissen besonders sein praktisches Vordach zu schätzen.

Funktionsmode hat jetzt Hoch-Saison. Nicht nur für Outdoor-Sportler und Radfahrer. Längst gibt es intelligente Fasern und Textilien, die gegen fast jede Unbill des Wetters schützen. XPlus zum Beispiel ist ein spezielles Polyamidgewebe mit einer wasserdichten Polyurethanbeschichtung. Die hält warm und trocken und sorgt durch entsprechende Verarbeitung auch noch für die notwendige Belüftung des Körpers.

Eingesetzt werden solche Gewebe beispielsweise für Regen-Jacken und Hosen, Wander- und Bike-Ponchos. Diese voluminösen Capes sind außerordentlich praktisch, weil sie beispielsweise auf dem Rad auch noch das Gepäck abdecken. Die Regenüberhose darunter schützt den feinen Zwirn. Verdeckte Beinreißverschlüsse und Klettverschlüsse an den Fesseln erleichtern das Rein- und Rausschlüpfen. Damit das Ganze nicht grau und unförmig aussieht, dafür haben sich längst auch die Mode-Designer ein Bein ausgerissen. Im letzten Jahr erlebten Neon-Farben ein Comeback, im nächsten sollen’s silbrige Pastelle sein. Egal. Hauptsache, warm und trocken.

Das gilt besonders für die Füße. Da reicht ein Regenschauer, und hochwertiges Schuhwerk ist trotz vorherigen Eincremens und Sprühens rasch ruiniert, Ledersohlen weichen auf. Entweder, man trägt auf dem Weg von und zur Arbeit wasserdichte Sportschuhe und wechselt trockenen Fußes im Büro, oder man greift zu Überschuhen. Die sind längst nicht mehr so spießig wie in den Zeiten, als sie noch Galoschen genannt wurden. Britische Herrenausstatter führen witzige Modell in halbtransparenten Popfarben, die sogar schick geschnitten sind.

Rettungsversuch für aufgeweichte Treter– auch für Onliner: Die Schuhe abends mit Zeitungspapier ausstopfen (zum Beispiel Handelsblatt).

Steigt die Flut, steigt man in Gummistiefel. Die meisten verdienen zwar den Namen gar nicht mehr, weil sie statt aus elastischem Naturkautschuk oft aus weniger flexiblen thermoplastischen Kunststoffen gefertigt sind, aber wasserdicht sollten sie allemal sein. Seit nicht nur Politiker und Politikerinnen schnell reinschlüpfen, wenn ihnen im Wahlkampf mal das Wasser bis zum Halse steht, sondern auch Stars in bonbonfarbenen Modellen rumstiefeln, sind die Dinger wieder Kult. Mode ist eben wechselhaft. Wie das Wetter.

 

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

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