Dress for Success
Die Zukunft wird rosarotbraun

Schrill war gestern: Wer im neuen Jahr den richtigen Ton treffen möchte, kann sich dabei von Farbtrendforschern inspirieren lassen. Aktuell empfiehlt Pantone einen süffigen Farbton: Marsala.
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War es im gerade vergangenen Jahr 2014 mit Radiant Orchid ein leuchtendes (Frauenpower?) Lila, das vom farbautoritären amerikanischen Pantone Color Institute propagiert wurde, so ist es für das neue Jahre ein eher süffiger Farbton: Marsala. Ein gedecktes uriges rosarotbraun, das ältere Semester an die Farbe von Bohnerwachs in der Nachkriegszeit erinnert, für jüngere Semester aber einen diskreten Charme haben kann. Schrill war gestern.

Anders als der gleichfarbige Likörwein, der durchaus funkeln kann, wirkt Marsala flächig aufgetragen vielleicht etwas blass. Kann man aber auch subtil sehen. Eine dunkelhaarige Freundin, eher der Schneewittchen-Typ, der die Weinnote gut zu Gesicht stehen würde, übersetzt diesen Farbton auf deutsch mit „müde Himbeeren“.

Für Marsala gilt wohl wie für alles Alkoholische das Rezept: in Maßen genießen stimuliert und beruhigt es – zur viel beeinträchtigt die Wahrnehmung: Man sieht verschwommen. Aber man kann sich ja einen eigenen bekömmlichen Farb-Cocktail mixen, beispielsweise Marsala mit Grau- oder Gold-, im Retro- oder Biedermeier-Look gern auch mit Türkistönen.

Vielleicht wird ja eine Farbe wie Wein im Alter immer besser. Neu jedenfalls ist Marsala nicht. Auf Möbelmessen, im Wohnbereich (Beispiel: Sofa „Elm“ von Cor), vor allem aber im Hotel-Design sorgt der warme Ton schon länger für Furore. Immer wieder fand man sich bei Hotel-Eröffnungen oder –Renovierungen in cool maskulin wirkenden Zimmern, die bis zur Bettwäsche in Schwarzbraun/Aubergine beziehungsweise Marsala eingerichtet waren, aufgehellt mit schimmerndem Silbergrau, dann aber streng gestreift. Entsprechende Eleganz für Zuhause gab’s ganz schnell auch bei Zara Home oder Habitat. Marsala Mainstream sozusagen.

Pantone empfiehlt sein Weinrot auch im Grafik-Design und für die Standgestaltung. Es verleihe Verkaufsflächen „einen verführerischen Schimmer“. Wirkt irgendwie wertig. Klassiker wären marsalafarbene Buchrücken – so lange es noch welche gibt…

Wie kommen die eigentlich drauf, die Farbforscher? Fündig werden sie bei der Beobachtung von Modeströmungen, auf laufenden Filmproduktionen, Kunstausstellungen oder überhaupt im kunterbunten Multi-Kulti-Miteinander. Hat eigentlich schon mal Jemand den Einfluss von Farben auf die Konjunktur oder umgekehrt erforscht? Welche Farbe hat die Krise? Vielleicht frei nach Wilhelm Busch: „Wer Sorgen hat, hat auch Likör“? Pantone jedenfalls sieht die Zukunft braunrosarot. Marsala wirke wie „satte Zufriedenheit nach einer gelungenen Mahlzeit.“ Na, dann: Prost Neujahr!

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

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  • Une chanson pleine d'espoir.

    La naturalité
    des émotions
    est comme une
    lumière qui
    remplit le matin
    quand l'aube
    de l'espoir
    revient dans
    le coeur.

    Francesco Sinibaldi

  • Une chanson pleine d'espoir.

    La naturalité
    des émotions
    est comme une
    lumière qui
    remplit le matin
    quand l'aube
    de l'espoir
    revient dans
    le coeur.

    Francesco Sinibaldi

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