Dress for Success
Doppelt hält besser

Großer Auftritt und stehende Ovationen für Paul McCartney bei seinem einzigen Deutschlandkonzert vergangene Woche in der Köln Arena. Sein Bühnen-Outfit: ein Zweireiher. Der erlebt gerade ebenso gefeierte Revivals wie die alten Beatles-Hits.
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Pop-Star Paul McCartney trat vor 15 000 Leuten auf. Philipp Holstein, Feuilletonist der „Rheinischen Post“ war nicht nur von den alten Songs gerührt, ihm imponierte noch ein anderer Klassiker: „Er trug einen dunklen Zweireiher, den man sich gleich morgen in Londons Savile Road nachschneidern lassen möchte“.

Dabei war der patriarchal-pompöse Klassiker, „diese einst handelsübliche Anzugsvariante nun jahrelang so was von out, dass sie fast ausgestorben schien“, bemerkt Kollege Jeroen van Rooijen in seinem neuen pfiffigen Frage-und-Antwort-Ratgeber „Hat das Stil?“ (Achtung! Stilvoller Geschenktipp für den Liebsten: Verlag Neue Zürcher Zeitung, 33 Euro).

Dabei sahen Hollywood-Größen wie Gary Grant oder Richard Gere doppelt geknöpft bereits blendend aus. Vielleicht auch deshalb hat die Avantgarde den Zweireiher wieder entdeckt. Zu Recht. Mit dem Teil, das historische Uniformen, zum Beispiel die Reitjacken der Kavallerie zitiert, galoppiert der Retro-Trend durch die Gazetten und verleiht den abgebildeten Dandys eine gewisse Seriosität.
Armani hat ihn selbstverständlich in der Kollektion, Boss sowieso. Joop lässt sich von  Louis Bunuels Kultfilm zum Zweireiher zurück(ver)führen: Dezente Nadelstreifen betonen den diskreten Charme der neuen Bourgeoisie.

Selbst Tommy Hilfiger knöpft sich in seinen jungen Kollektionen das konservative Teil vor - als Kurzmantel. Dann nennt man es Ulster. Der maskuline Stadt- oder auch Sportmantel, benannt nach den schweren Stoffen aus der gleichnamigen irischen Provinz, stammt noch aus der Zeit als es nicht nur im Winter, sondern auch im Auto kälter war.

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