Dress for Success
Eigentlich ist Gold geschmacklos

Geld kann man nicht essen. Gold hingegen schon. Und auch tragen. Gold am Körper hat einfach das gewisse Etwas. Nicht nur als Schmuck. Und nicht nur in Krisenzeiten.

Im Hongkonger Thai-Restaurant „Bangkok“ schmilzt Blattgold auf beigebraunem Zimteis zu perlförmigen Tröpfchen. Die Düsseldorfer schmieren sich Gold auf ihre Currywurst. Süß sehen Goldsplitter auf Pralinen aus. Flüssiges Gold gibt’s in Flaschen. Spurenelemente des Edelmetalls schweben im Danziger Goldwasser. Oder in Prosecco.

Man kann seine Gäste zu Hause überraschen, in dem man zum Salz- und Pfefferstreuer einen dritten mit Goldstaub stellt – genannt Mozartgold. Gold wird auch deshalb zum Verzieren und Dekorieren verwandt, weil es quasi geschmacklos ist. Aber, würde Thomas Mann sagen: Es putzt ungemein. Dabei ist es gar nicht so kostspielig: 5 Blättchen á 23 Karat gibt’s im Internet schon ab 15 Euro.

Gold am Körper hat was. Es muss ja nicht gleich flächendeckend sein als zweite Haut wie einst beim Bond-Girl. Gewebtes Gold hat eine lange Tradition. Meist war es den Mächtigen vorbehalten. Nicht nur Kaiser und Könige, auch der Klerus schmückte sich gern mit golddurchwirkten Gewändern. Goldbroschierte Samte zierten die Renaissance, Edelmetallstickereien das barocke Zeitalter. Bereits im Mittelalter kamen Goldstoffe in China und Zentralasien zum Tragen, heute kleidet Mann sich dezenter. Scabal, ein belgisches Traditionshaus für Maßkonfektion, durchwirkt beispielsweise Anzugstoffe aus feinster australischer Merinowolle mit echten Goldfäden.

Goldbarren gelten in Krisenzeiten als halbwegs sichere Bank. Goldschmuck war oft auch Zahlungsmittel. Das zeigt zurzeit das Landesmuseum Hannover in seiner spektakulären Ausstellung „Im goldenen Schnitt“. Der „Goldschatz von Gessel“ gilt als Jahrhundertfund, zufällig entdeckt beim Bau der Nordeuropäischen Erdgasleitung bei Bremen.

Zeitgleich präsentiert in der Landeshauptstadt Niedersachsens die Kestnergesellschaft ihre Schau „Der Schein. Glanz. Glamour. Illusion“. Der süße Schein: 544 Kilo einzeln in Goldfolie verpackte Bonbons. Die passen noch nicht einmal in den von der Schweizer Künstlerin Silvie Fleury mit Gold überzogenen sozialkritischen Supermarkt-Einkaufswagen.

Es muss ja auch nicht immer alles echt sein, was glänzt. Gold als Modefarbe gibt’s auch als Mischung von Schein und Sein. Louis Vuitton zieht mit goldenen klassischen Herrenschuhen vom Leder; Hugo bastelt für junge Bosse ein Sakko aus Goldplättchen, das schon fast an chinesischen Totenkult erinnert.

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin
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