Dress for Success: Eliten in Nadelstreifen

Dress for Success
Eliten in Nadelstreifen

Der eigene Name als modisches Mantra. Elegant oder peinlich? Diese Frage musste sich Indiens Premier Narenda Modi stellen. Bei einer Versteigerung kann solch ein Second-Hand-Anzug dann schon mal 600.000 Euro bringen.
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US-Präsident Obama erschien im Januar in New Delhi im schlichten schwarzen Anzug zum Treffen mit Indiens Premier Narendra Modi. Der ist eher für einen extravaganten Modestil bekannt. Den erkennt man nicht immer auf den ersten Blick. Erst in Nahaufnahme war der Clou seines Nadelstreifen-Anzugs lesbar: ein schier endloser Druck von „Narendra Damodadras Modi“. Eine Art modisches Mantra, das in Indien sogleich den Hashtag #ModiSuit auslöste: „Vielleicht hat er Angst, dass sein teurer Anzug geklaut würde?“

Das ist nicht passiert. Dennoch hat der dunkle Wollanzug mit dem in Indien üblichen Stehkragen den Besitzer gewechselt. Modi hatte dafür so um die 14.000 Euro bezahlt. Jetzt hat er ihn für umgerechnet 600.000 Euro versteigern lassen. Altkleiderverwertung auf höchstem Niveau.

Investitions-Anzüge mit Preisetiketten im fünfstelligen Bereich sind durchaus beliebt bei Eliten in Politik, Pop-Kultur und Sport. Ägyptens früherer Diktator Husni Mubarak trug einen, der lateinamerikanische Sänger Luis Miguel leistete sich gleich zwei Gold-Treasure-Anzüge. Die trugen zwar nicht seinen Namen, dafür war der Nadelstreifen aus reinem Gold gewirkt.

Stoffe, aus denen Traum-Anzüge sind, lässt das Brüsseler Traditionshaus Scabal seit vier Jahren in einer eigenen Weberei in England entstehen. Treasure Box heißt das Programm, das in einem passenden Schmuckkasten präsentiert wird. Feinste australische Merinowolle – nachtblau, anthrazit oder schwarz – wird mit 24-Karat-Goldfäden durchwirkt. Das Edelmetall wird in einem technisch komplizierten Verfahren auf einen Trägerfaden aufgebracht. Solch ein Anzug kostet dann um die 15.000 Euro. Es kann auch Platin sein. Oder Gold plus Platin. „Das wirkt aber immer sehr diskret“, erklärt Matthias Rollmann. Das gilt auch für eingewebten Diamantstaub, der dem Anzugstoff einen besonders edlen Schimmer verleiht.

Wer reinen Stoff schätzt, greift in diesem Frühjahr zu edlem Kammgarn-Kaschmir. Die Schmeichelwolle wurde bisher meist nur für Sakkos verarbeitet. „Aber wir haben sie jetzt hosenfest gemacht“, erklärt Rollmann, Sales Director für Stoffe bei Scabal, den neuen diskreten Anzug des Themas Ultra Caresse. Er soll so zwischen 10.000 und 12.000 Euro kosten.

Und dann wäre da noch ein duftes Stöffchen im Angebot: Orchid. Seine Fasern strömen beim Tragen den Duft von Orchideen aus. Rollmann: „Aber nur ganz leicht im Hintergrund.“ Das soll auch nach sorgfältiger chemischer Reinigung so bleiben. Wäre das nicht eher etwas für Frauen? Jil Sander war ja seinerzeit die erste, die Anzugstoffe für sportlich-elegante Damenmode verarbeitete.

Da seufzt der Stoff-Experte. Man ist in Verhandlungen mit einer Top-Designer-Marke, der Damen-Business-Anzüge gewiss gut stehen würden. Aber das ist vielleicht so ähnlich wie mit Frauen in Führungspositionen. Da dauert es ja auch, bis Frauen sich einen Namen machen – mit oder ohne Nadelstreifen.

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

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