Dress for Success
In die Tasche gesteckt

Vom alten Geldsack bis zur begehrten Kelly-Bag: Taschen sind Kult. Nicht nur für die meisten Frauen, auch in Museen und in der Literatur spielen sie eine große Rolle. Und manchmal auch für den Mann.
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DüsseldorfDürfen Männer Handtaschen haben? Kommt drauf an. Auf den Mann. Und auf die Tasche. Und wo die Body-Bag dann so rumhängt. Über der Schulter, gerade oder quer, verklemmt unterm Art oder auf dem Bauch wie ein Neugeborenes. Mann macht sich ja leicht lächerlich. Wenn eine verdickte Brieftasche am Handgelenk baumelt, wie einst an Horst Schlämmer, der Witzfigur des Hape Kerkeling, ihres Zeichens belämmerter Lokalreporter in Grevenbroich.

Aber wohin mit Smart-Phone, Geldbörse, dem letzten Rest Papierkram? Zum Business-Outfit passt immer noch am besten eine schlichte Ledermappe. Wer die Startup-Phase hinter sich lassen will, sollte sich auch von seinem knautschigen Rucksack trennen. Fällt sicher leichter als vom originellen Lkw-Planen-Unikat der Schweizer Kultmarke Freitag und ihren Nachahmerprodukten. Schlichte, urige Überschlagtaschen an Schulterriemen wirken ja durchaus maskulin, wenn sie aus kernigem braunen oder softem schwarzem Leder in einer gedeckten Farbe gefertigt und nicht zu voll gestopft sind. Mit Comic-Figuren sind sie – wie der Name schon sagt, einfach nur komisch.

Im Sommer können Herrentaschen auch aus Nylon oder Canvas sein. Es sollte allerdings nicht groß ein Name draufstehen, weder der eigene noch der des Designers oder Herstellers. Das ist affig, als wolle man sich (an) eine besondere Persönlichkeit anhängen. Es sei denn, so die Empfehlung von Jeroen van Rooijen, Modekritiker der Neuen Zürcher Zeitung, in seiner Stilfibel „Hat das Stil?“: „Man sollte sich darum bemühen, dafür bezahlt zu werden, um mit solch plakativer Markenwerbung herumzuspazieren.“

Männer haben übrigens viel früher und öfter Taschen getragen als Frauen. Das beweist gerade eine aktuelle Ausstellung im Bayerischen Nationalmuseum in München. Zumeist waren es Geldsäckchen, die am Gürtel baumelten, aber auch prächtige Jagdtaschen. Kurfürst Maximilian I. ging nie ohne.

Ein Kapitel Kulturgeschichte im Taschenformat. Noch bis zum 25. August 2013 sind rund 300 Modelle aus dem 16. bis 21. Jahrhundert, ergänzt durch Gemälde, Skulpturen und grafische Blätter zu sehen: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, Donnerstag 10 bis 20 Uhr.

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Wenn Taschen tratschen

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