Dress for Success
Kein Look für Loser

Ein Mann muss nicht gut aussehen. Aber er kann! Karriere-Gazetten sind voll von Dress-Codes für Berufsanfänger. Aber was trägt Mann in der Krise, wenn er sich eher out als fit fühlt?
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Es fängt schon mit der Schreibweise an. Es heißt Loser und nicht Looser. Weil der Verlierer sich von „to lose“ ableitet und nicht von „to loose“ = lösen. Obwohl: Auch ein Verlierer kann und muss sich oft lösen – wenn er wieder zum Gewinner werden will: alten Fehlern, eingefahrenen Verhaltensweisen und von alten Klamotten.

Die Brille geht vielleicht noch, weil sie inzwischen wieder modern ist. Damit wird der Buchhalter von vorgestern unter Umständen zum Nerd von gerade jetzt. Wenn er dazu seinen Pullunder mit den Rhomben überzieht. Wer sich die Vintage-Nummer nicht zutraut, guckt sich von Charles Schumann den perfekten Stil-Mix ab, den Baldessarini ihm mit Erfolg (für beide) verpasst hat. Dann klappt’s auch mit der Nachbarin.

Die Karriere-Gazetten sind voll von Dress-Codes und Mode-Vorschlägen für Berufseinsteiger, fürs ultimative Outfit auf der Karriere-Leiter. Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance, heißt es. Dabei braucht Mann manchmal genau die, wenn von heute auf morgen der langjährige, vermeintlich sichere Brot-und-Butter-Job gefährdet ist, die Firma verkauft wird, Arbeitsplätze abgebaut, Abteilungen zusammengelegt oder geschlossen werden, wenn die Stimmung gedrückt, die Arbeitsmoral mau und das Demotivations-Sakko mausgrau ist.

Wer am frühen Morgen nicht richtig aus dem Bett kommt, weil ihm vor dem neuen Arbeitstag graut, der hat verständlicherweise auch wenig Lust, sich dafür fein zu machen. Das kann ein fataler Fehler sein. Nicht nur Denken bestimmt unser Bewusstsein, sondern auch Kleidung und damit unser Selbstwertgefühl. Warum sollte man sich also in brenzligen Situationen durch nachlässige Kleidung zusätzlich abwerten? Wer im vorauseilenden Loser-Look auftritt, lässt sich gehen. Im doppelten Wortsinn.

Es gibt Denkweisen, die sind wie ungebügelte Hemden: Hat doch alles keinen Zweck. Ist doch eh’ alles egal. Man kann ja ohnehin nichts ändern. Doch, kann man. Vielleicht nicht bestimmte Dinge, aber die eigene Einstellung und das eigene Erscheinungsbild. Auch und gerade in Zeiten und Situationen, in denen man sich ein Teflon-Outfit wünscht, an dem alles abperlt oder einen Neopren-Anzug, um unter der nächsten Kündigungswelle wegzutauchen.

Klingt oberflächlich? Ist es auch! Aber deshalb noch lange nicht falsch. Marketing-Strategen empfehlen immer wieder, gerade in schlechten Zeiten Werbe-Etats aufzustocken, Flagge zu zeigen, sich von der Konkurrenz abzuheben. Dasselbe gilt auch fürs Ego-Marketing. Ein Mann in den besten Jahren braucht die besten Klamotten. Warum? Weil er alt genug ist, seinen Wert selbst zu bestimmen und das auch zu signalisieren. Vorsprung durch Fashion. Das wirkt. Versprochen. Viel Erfolg!

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

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