Dress for Success
Mann trägt wieder Bauch

Schluss mit Diäten und Quälereien an Geräten: Der „Daddy Body“ kommt in Mode. Das Weich der Mitte als Wohlfühlzone, der Waschbärbauch als weibliches Ideal – ein Freibrief für die Plauze? Nicht unbedingt.
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DüsseldorfDer Vatertag ist abgefeiert, ein Thema hat ihn überlebt: Daddys Body, kurz „Dadbod“, auf gut deutsch Papis Plauze. Die kommt offensichtlich wieder in Mode. Schön wär’s. Mann könnte ausatmen, bräuchte sich nicht mehr mit Diäten zu kasteien und an Geräten zu abzuquälen. Stattdessen konzentriert sich das Wohlbehagen auf seine neue Mitte. Einer wusste es schon immer, Obelix for Success: „Ich bin nicht dick. Ich bin nur kräftig gebaut.“

Das Rückbesinnen auf urmännliches B(r)auchtum kommt übern Großen Teich zu uns. Angestupst hat es Mackenzie Pearson. Die 19-jährige US-Studentin ging der Frage nach: „Warum Mädels Papa-Körper mögen.“ Damit meinte sie allerdings nicht den gemeinen Bierbauch, sondern eine eher entspannte leichte Kuschelzone, zwar weich, aber nicht wabbelig, wobei trainierte Muskulatur im Hintergrund nicht als störend empfunden wird.

Neben solch einem Mannsbild, so Pearson, fühle sich eine Frau gleich weniger verunsichert durch ihren eigenen Körper. Logisch, sieht Sie im Kontrast zum Kugelbauch doch gleich viel schlanker aus. Und dass sich Männer erwiesenermaßen aus reiner Solidarität zu ihrer schwangeren Partnerin eine Parallel-Plauze wachsen lassen, ist doch auch irgendwie süß, oder?

In vielen Kulturen gilt ein kugelrunder Bauch seit jeher als Zeichen für Glück und Wohlstand, als Status-, sogar Schönheitssymbol. Man muss nur einen Buddha angucken. Und: Nur wer genug zu essen hat, kann sich solch ein respektables Depot anlegen. So war das auch hierzulande in wirtschaftswunderbaren Zeiten, als Chefs noch Patriarchen waren, gewichtige Persönlichkeiten. Ihnen gehörte die Firma und mit ihr auch die Untergebenen, quasi Leibeigene.

Doch das Mannsbild hat sich gewandelt: Heute sind es eher die unteren Schichten, die sich mit Fast Food, Chips und süßen Mixgetränken ein Gegengewicht zum Alltagsfrust anfuttern. In Firmenspitzen dagegen, wo in Zeiten ständig wechselnder Vorstände mittlere Führungskräfte oft in Hierarchien verhungern, ist der Bauch längst kein Zeichen mehr für natürliche Autorität. Da muss Mann elastisch sein wie Bambus im Wind, braucht nicht nur geistige Muskeln, sondern auch einen harten Sixpack, an dem einiges abprallen kann.

Sport-Studios, Personal Trainer und Schönheitschirurgen profitieren von dieser gebeutelten Zielgruppe: Schlupflider werden gerafft, Falten unterspritzt, Fett abgesaugt. Da wird gelaufen, gerungen, gerudert, gepaddelt. Selbstoptimierung hat gute Chancen, zum Wort des Jahres zu werden – nicht nur für die Generation Y.

Bevor Mann jedoch jetzt Zügel und Hosenträger schleifen lässt, sei gewarnt: Der Bauch ist nicht nur eine ästhetische Problemzone. Während Frauen mit zunehmendem Alter eher an Hüften, Po und Oberschenkeln zunehmen (Birne), gewinnen Männer an Gewicht in der Mitte (Apfel). Leider gilt Hüftgold gemeinhin weniger gesundheitsgefährdend als Bauchfett. Das kann beim Mann das Risiko erhöhen, an Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Prostatakrebs zu erkranken.

Also am besten auf sein Bauchgefühl hören, seine persönliche Balance finden zwischen äußerem Gewicht und innerem Gleichgewicht und das Weich der Mitte einfach zur Wohlfühlzone erklären.

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

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