Dress for Success: Mode-Anwalt im Mehrteiler

Dress for Success
Mode-Anwalt im Mehrteiler

In der neuen US-Erfolgs-Serie „Suits“ begegnen uns Männer nach Maß. Die Serie gewährt einen Einblick in die Anwaltskanzlei von heute. Und was bietet sie? Feines Stöffchen, flotter Schnitt, lockere Dialoge.
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Wir haben es ja schon immer gewusst: Der falsche Schlips kann zum Fallstrick auf der Karriereleiter werden. „Schaffen sie ihre schmale Krawatte aus meinem Gesichtsfeld und machen sie sich an die Arbeit“, faucht Harvey Specter (verschlagen verkörpert durch Gabriel Macht) seinen neuen Praktikanten Mike Ross (linkisch-verschmitzter Patrick J. Adams) an. Der stottert im Kreuzverhör auf die Frage, was sein Outfit gekostet hat: „500 Dollar.“ Gegenfrage: „Für wie viele?“ Kleinlaute Antwort: „Für fünf.“

Das reicht. Nachdem er abgebürstet und zusammengefaltet ist, bekommt Mike von Harvey die Adresse seines Ausstatters. Dieser würdigt den Hänfling nur eines kurzen Blickes: „Wir führen hier keine Röhrenjeans.“ Und überhaupt: „Kennen sie ihre Schrittlänge?“ Merke: So was muss ein Business-Punk wissen.

Etwas Geniales sei im Anzug, verspricht uns VOX, immer freitags, 21.15 Uhr. „Mad Man“ kennen wir ja schon. Viele lieben ihn sogar. Doch jetzt lassen wir die Werbeagenturen im Stil der 50er-Jahre mal hinter uns und schauen uns in einer Anwaltskanzlei von heute um. Was sehen wir? Aalglatte Fassade mit schickem Interieur, bevölkert mit dazu passenden Karrieristen.

Da ist nix mit Casual Friday. Bad Hair Day schon gar nicht. Die geschniegelten Jüngelchen tragen nachtblaue Westenanzüge und brüsten sich mit breiten Schlipsen an deren Symbolik es wohl nichts zu deuteln gibt. Die schlagfertigen Mädels in der Kanzlei halten mit, tragen meist Bleistiftröcke, die Blusen sitzen stramm. Der Chef ist eine Frau.

Die Firma arbeitet mit einem Befehlskettenmodell. Von oben herab, versteht sich. Anwalt sein, belehrt Harvey seinen Mike, sei wie Arzt sein: „Man drückt so lange, bis es weh tut.“ Da muss der Hochschulabbrecher Mike in seinem Jeanshemd und der Postman-Tasche quer über der Hühnerbrust noch viel lernen. Und auch der Zuschauer kriegt was mit für den ersten Eindruck, für den es bekanntlich keine zweite Chance gibt.

Der erste Eindruck von „Suits“ (was übersetzt nicht nur Anzug, sondern auch Anzugträger heißt und so ähnlich klingt wie sui für verklagen): Glattes Stöffchen, flotter Schnitt, die Dialoge sitzen locker.  Nett Man. In den USA läuft die Serie bereits seit Juni 2011 und lockt beim Kabelsender USA Network im Schnitt mehr als 6 Millionen Zuschauer vor den Bildschirm. Vier Staffeln sind abgedreht. Hierzulande war Suits bereits beim Bezahlsender Fox zu sehen, jetzt gibt’s die Business-Mode-Serie auch im Free TV bei Vox. Könnte Kult werden.

Ach, ja: Zum maßgeschneiderten Erfolgsmodell von Vox gehört auch eine Kooperation mit Anson’s. Der Herrenausstatter hat in fünf deutschen Großstätten zum Serienbeginn seine Schaufenster im Suits-Design dekoriert.

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

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