Dress for Success
Mode in Worte kleiden

Mode war schon immer und ist auch heute Kommunikation. Und Bekleidung ein sprichwörtlicher Beitrag zum Image. Der beste Beweis dafür ist nicht nur, was wir anhaben, sondern auch, was wir damit und darüber aussagen.
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Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer äußerte sich kürzlich im „Spiegel“ über seinen Finanzminister, dem er auch die Kronprinzenrolle zutraut(e?): „Söders Stärke ist, dass er in den vergangenen Jahren an seinem Image gearbeitet hat. Er weiß inzwischen seinen Ehrgeiz unter einem Mantel staatsmännischer Besonnenheit zu verbergen.“ Ob sich Söder davon auf den Schlips getreten fühlte? Von den Socken wird er bei solcher Beschreibung vielleicht nicht gewesen sein. So was muss man sich nicht anziehen. Außerdem ist sein Übergangsmantel der Besonnenheit wahrscheinlich so geschnitten, dass er sich auch als Mantel des Schweigens (er)tragen lässt.

Dieses Beispiel zeigt, dass Mode sprichwörtlich mehr ist als eine bloße Zeiterscheinung. Ein Kultur- und Wirtschaftsfaktor. Oder – siehe oben – Ausdruck politischer Befindlichkeiten. Staatsmänner brüsten sich gern mit einer weißen Weste. Bei wichtigen Entscheidungen ist ihnen oft das Hemd näher als der Rock. Besonders wenn die anderen den Gürtel enger schnallen sollen. Ganz besonders dann, wenn es ihnen an den Kragen geht. Zum Beispiel wenn sie sich mit fremden Federn schmücken. Wie sagt doch ein altes deutsches Sprichwort: An den Federn erkennt man den Vogel. Auch den komischen.

Gilt auch für Politikerinnen. Frauen, die ihren Mann stehen, stehen auch unter der ständigen Beobachtung ihrer männlichen Mitbewerber. Deshalb müssen sie ab und an auch zeigen, dass sie die Hosen anhaben. Dabei wusste schon der amerikanische Philosoph Ralph Waldo Emerson: „Aus dem Bewusstsein, gut angezogen zu sein, empfängt eine Frau mehr innere Ruhe als aus religiösen Überzeugungen.“ Vermutlich, weil frau den Unterschied zwischen Angezogen und Anziehend kennt. Was für gestandene Kerle eher Jacke wie Hose ist. Hauptsache, sie haben den Hut auf. Oder in der Hand, denn damit soll Mann ja durchs ganze Land kommen.

Wie gesagt: Mode ist immer auch Kommunikation. Dabei lässt sie sich elegant in Worte kleiden. Schließen wir solche kleidsamen Betrachtungen mit dem Star-Designer der Sprache: Heinrich Heine hielt den für den größten Künstler, der mit wenigsten und einfachsten Symbolen das Meiste und das Bedeutendste sagen kann: „Wenn wir es recht überdenken, so stecken wir doch alle nackt in unseren Kleidern.“ Wie die Wahrheit, wenn sie nicht in Worte verkleidet ist…

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

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