Dress for Success
Peer & Cloppenburg

Kanzlerkandidat Steinbrück wirkt bisher ziemlich farblos im Wahlkampf. Zumindest äußerlich. Ein Modeberater gehört offensichtlich nicht zu seinem Kompetenzteam. Jung-Designer Sven Schuster könnte (s)einer sein.
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BerlinKeiner kann sagen, dass die Leute bei Peer Steinbrück auf sein Äußeres reduzieren, anstatt auf Inhalte achten. Darin beschränkt sich sein modische Aussage auf Sätze wie: „Warenhäuser sind nicht generell aus der Mode. Ebenso wenig wie die SPD.“ Nicht, dass Steinbrücks Erscheinungsbild schlecht wäre. Eher nichts sagend. Man denkt dabei nicht unbedingt ans Kaufhaus, eher schon an Peek & Cloppenburg.

Seine Anzüge könnten besser formuliert sein. Sie sind oft so düster, zwischen Braunkohle und Schwarzsehen. Das einzig markante: die rote Krawatte - von wegen SPD. Das flotteste an ihm ist noch ein hochgeschlagener Mantelkragen, wenn der Wind zu stark von rechts kommt.

Wie kommt so Einer an beim Wähler im Allgemeinen und bei Jungwählern im Besonderen? „Besser als Angela Merkel“, meint Jung-Designer Sven Schuster. Der 23-jährige hat gerade mit Erfolg sein Mode-Studium bei der Düsseldorfer Akademie Mode & Design abgeschlossen. Seine Spezialität: Männermode, avantgardistische Streetwear.

Wie würde er Steinbrück beraten? Man könnte ja mal klein anfangen, bei A wie Accessoire. Besser noch bei B wie Brille, findet Schuster, der selbst Brillenträger ist. Auf ihn wirkt Steinbrücks randloses Gestell „als wolle der Träger seine Fehlsichtigkeit verbergen. Ich hatte auch so’n Ding in der 5. Klasse, bloß nicht auffallen.“ Für Steinbrück hat er eine kräftigere Fassung vor Augen. Vielleicht wie seine eigene klassische Ray Ban in Schwarz?

Damit beobachtet er seine vielleicht zukünftige Kundschaft: „Zum Beispiel beim SPD-Jubiläum in Berlin. Da sahen alle so leger und locker aus, richtig sommerlich. Nur der Kanzlerkandidat wirkte irgendwie stieselig in seinem Anzug.“ Wie locker ein Politiker im Hemd aussehen kann, hätte man ja an Obama gesehen in Berlin „Der hat dann sogar noch die Ärmel hochgekrempelt.“ Eine Geste, die traditionell auch gut zur Arbeiterpartei SPD passen würde.

Also ist Kanzlerkandidat Steinbrück für ihn modisch ein Problem-Peer? Nicht unbedingt: „Der ist ja ziemlich intelligent, kann logisch und schlüssig argumentieren. Auch, wenn er nicht gerade charismatisch wirkt.“ Allerdings: „…hat er auch so ein bisschen so ‚ne Problemfigur - wie die meisten deutschen Männer.“ Wie man die am besten kaschieren könnte? Von einem Zweireiher würde Schuster Steinbrück abraten. Auch vom klassischen Dreiteiler, Jackett, Hose, Weste, mit dem einst Joschka Fischer auf seriös machte. Der Nachwuchs-Designer rät dem Kanzlerkandidaten zu einem etwas eleganteren, am besten italienischen Stil. „Nicht unbedingt Prada. Das wär’ nichts für ihn. Eher Brioni, Ferragamo oder Zegna. In Brioni war ja schon mal ein Kanzler fein raus. Wir erinnern uns: Darin war Gerd Schröder gerne groß.

Oder Thom Browne. Der New Yorker Designer kleidet nicht nur Michelle Obama vortrefflich, er ist auch bekannt für seine etwas respektlose Männermode, ein lässig-elegantes Spiel mit verkürzten Proportionen. Der schneidert etwa so, wie Peer Steinbrück manchmal redet. Kriegt man aber nicht im Warenhaus. Mindestlohn für einen coolen Wolle-mit-Seide-Anzug von Browne: 2000 Euro. Gratis dazu gibt’s den Klartext des Designers: „Es liegt eine ganz reale Macht darin, seiner Identität zu trauen und sich darauf zu verlassen, dass man interessanter ist als das, was man anhat.“

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

Kommentare zu " Dress for Success: Peer & Cloppenburg"

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  • Das mit dem hochgekrempelten Hemd kann ich nur bestätigen. Ja, das würde gut passen und die Macher-Qualität untersteichen Ansonsten kann man bei Steinbrück nicht meckern: Klassisches Herren-Outfit. Die hellblauen Hemden stehen ihm super. Hellgrau könnte ich mir auch gut vorstellen, oder auch mal ein feines Vichy Karo. Wegen der Parteizugehörigkeit die rote Krawatte, okay. Da gibt's auch Varianten, die mehr stylish wären. Trotzdem: Gesamteindruck für mich als professionelle Stilberaterin absolut OK.

  • Wenn man den Wahlkampf der Sozen betrachtet, wäre wohl eher "leichter Bieranzug" angemessen.

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