Dress for Success
Socken mit Sommerloch

Die Sonne bringt es den Tag: Manche schlüpfen an den heißen Tagen ohne Socken in die Schuhe. Ist das modisch? Oder bloß Bequemlichkeit? Ein Mann darf sich nicht so gehen lassen.
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Eigentlich ist er ja smart, der britische Premier David Cameron. Doch im vorvergangenen Sommer wurde er in einem Café in der Toskana erwischt, als er ins modische Fettnäpfchen trat: ohne Socken. Er trug zum blauen Freizeithemd eine korrekte Anzughose, korrekte schwarze Schnürschuhe – an nackten Füßen. Kein Thema? Doch: Socken mit Sommerloch.

In London machte die heimische Presse auf die Strümpfe. Der linksliberale „Independent“ kritisierte das „schizophrene Aussehen für einen Mann, der doch normalerweise so viel Wert auf sein Image legt.“ Cameron sehe aus, als ob er sich sein Ferien-Outfit zusammengestohlen hätte. Der Stilkritiker der „Daily Mail“ rümpfte die Nase und mutmaßte: „Die Füße müssen doch klebrig gewesen sein.“ Selbst die konservative „Times“ griff mit spitzer Feder das Socken-Thema auf.

Kann man sich so gehen lassen? Wenn schon ohne Socken, dann aber auf hohem Niveau. Auf den internationalen Modenschauen in Paris, New York, Mailand, erst recht bei der renommierten Männermodemesse Pitti Uomo in Florenz führen männliche Models die Sommermode meist ohne Strümpfe vor. Aber natürlich anders als der Engländer in der Toskana: Die schlanken, oft androgynen Schönen tragen superleichte Anzüge, dazu luftige geflochtene Lederschuhe oder schicke Sandalen in gedeckten Farben.

Und, das gilt beileibe nicht nur für Models: Nude-Look bis zu den Zehenspitzen geht nur, wenn Füße und Fußnägel super-gepflegt sind. Sonst kann das Thema im Laufe des Tages zum Himmel stinken. Eigentlich eine Sommer-Selbstverständlichkeit, die sich aber scheinbar noch nicht überall herumgesprochen hat. Auch längst nicht flächendeckend in der Damenwelt.

Socken oder Kniestrümpfe in offenen wie geschlossenen Sandalen gehen, nachdem Mann aus dem Kindergartenalter hinausgewachsen ist, modisch gar nicht. Sieht ja auch irgendwie albern aus.

Dann wäre da noch der (fast) unsichtbare Kompromiss der Sneaker-Socken. Zum Business-Look ein No Go. Denn diese Füßlinge haben oft unangenehme Eigenschaften: Sie rutschen von den Fersen ins Innere des Schuhs, wo sie sich zusammenknubblen. Oder der Rand guckt raus.

Wer nicht im eigenen Feuchtbiotop Quietschgeräusche verursachen möchte, der trägt in geschlossenen Schuhen, vor allem auch in Sneakers, dünne Baumwoll-Socken oder solche aus Seidenmischgewebe. In reiner Seide schwitzt man leicht. Helle, zum Outfit passende Pastelltöne sehen dabei immer besser aus als weiß. Ausnahme: Tennisplatz. Eine Alternative sind weiße Frottee-Einlegesohlen. Am beste gleich zu Saisonbeginn ein Sixpack besorgen. Die kann man sogar in der Waschmaschine waschen. Es gibt auch Einlagen aus hauchdünnem Zedernholz, das Gerüche bindet. Talkumpuder hält Schwitzefüße trocken. Für Härtefälle gibt’s Spezial-Präparate.

Und den traditionellen Tipp: Freiheit für die Füße! Öfter mal barfuß laufen.

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

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