Dress for Success
Weihnachten? Geschenkt!

Jedes Jahr landen ungeliebte Gaben für eine Milliarde Euro unterm Tannenbaum. Doch wohin damit? Behalten, (um)tauschen, verkaufen? Die Börse mit unerwünschten Weihnachtsgeschenken boomt bereits kurz nach der Bescherung.
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Da haben die Heiligen Drei Könige was angerichtet, als Sie vor mehr als 2000 Jahren dem Jesuskind ihre milden Gaben in die Krippe legten. Seitdem glauben die Menschen, sich beschenken zu müssen. Nicht immer kommt dabei (Weihnachts-)Freude auf.

Nie vergesse ich das Weihnachtsfest, zu dem mich meine Großmutter mit einem monatelang selbst gestrickten mehrteiligen himmelblau-schneeweißen Eislaufkostüm überraschte. Sie wollte einfach nicht akzeptieren, dass ihr pubertierendes Prinzesschen eine rotzfreche Rebellin war. Peinliche Geschmacks-Pirouette. Heiß auf dem Eis waren damals ganz andere Sachen: knallenge Jeans und übergroße Sweat-Shirts, überlange Schals und lustige Pudelmützen, die man sich von den Jungs in voller Fahrt vom Kopf reißen ließ, damit sie einen nach mehr oder weniger graziösem Stolpern – gezielt vor dem Richtigen – geschickt auffangen konnten. Ein lustiges Spiel, zu dem man sich stundenlang mit Cliquen im Kreis drehte. Funktioniert aber nicht im Tellerröckchen …

Anziehsachen zu Weihnachten sind eben selten passend. Zu groß, zu klein, zu kurz, zu lang, zu laut oder langweilig gemustert. Trotzdem: Alle Jahre wieder signalisieren hilflose Schenker SOS zum Fest: Schlips, Oberhemd, Socken. Dazu noch einen selbst gestrickten Pulli von der Schwiegermutti, der schon beim bloßen Angucken auf der Brust spannt. Ein Freund hat so ein patent gestricktes kackbraunes Teil mal mit Ironie genommen, dramatisch in einen Wechselrahmen drapiert und von der Handarbeiterin signieren lassen. Das Ergebnis befriedigte sämtliche Beteiligte.

Überhaupt: Oft – siehe Eislauf-Oma - sagen solche Geschenke mehr über die Wunschvorstellungen der Schenkenden als der Beschenkten aus: Die biedere Hausfrau bekommt was Frivoles, die frivole Freundin eine Küchenschürze, der Schluffi einen Jogging-Anzug …

Wohin nach der schönen Bescherung mit all den ungeliebten Geschenken? Die Bequemen heben’s einfach auf, manche verstecken’s  ganz hinten im Schrank. Auch Weiterverschenken ist beliebt, erfordert allerdings eine gewisse Logistik. Laut Umfrage ist jeder Dritte bereit, Unwillkommenes sofort nach Weihnachten im Internet zu verticken. (Vor drei Jahren boten zwischen den Tagen mehr als 7000 private Verkäufer mobile Navigationssysteme bei eBay an). Verkaufen oder Versteigern im Netz ist easy, der  private Verkäufer muss kein Widerrufs- oder Rückgaberecht einräumen.

Im stationären Handel ist man indes auf die Kulanz des Verkäufers angewiesen. Gut, wenn schon beim Kauf ein Umtauschrecht vereinbart wurde. Das funktioniert meist nur mit Kassenzettel. Dafür muss man sich allerdings beim Schenkenden outen (laut Befragung trauen sich das weniger als 20 Prozent). Man bekommt meist kein Geld zurück, sondern einen Gutschein, um sich etwas Anderes auszusuchen. Bei Online-Käufen ist Rückgabe möglich - ab Lieferdatum 14 Tage lang.

Immer beliebter werden direkt nach Weihnachten angesetzte Tauschbörsen, sowohl private, als auch öffentliche, dann oft für einen guten Zweck. In München werden am 11. Januar ungeliebte Geschenke zugunsten von Unicef versteigert. Da geht erfahrungsgemäß so gut wie alles weg, im letzten Jahr sogar ein Puzzle des Vatikan-Staates. In der Düsseldorfer Johanneskirche werden traditionell Anfang des Jahres ungeliebte Geschenke angenommen, und am ersten Samstag zum Verkauf im Kirchenraum aufgebahrt. Der Erlös geht an „Ärzte ohne Grenzen“. Dazu gibt’s Kaffee und Kuchen. Das ist nie verkehrt.

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

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