Dress for Success
Wenn der Sixpack in die Hose geht

Im Job sieht man nicht, was er drunter trägt, gerippte Standardware sollte es trotzdem nicht sein. Bei Unterwäsche zählt aber nicht nur die Marke, meint unsere Modekritikerin Inge Hufschlag.
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Mehr als die Hälfte aller Männerunterwäsche wird immer noch von Frauen gekauft. Bei den jüngeren nicht selten mit viel Feingefühl, bei den älteren sind oft nur die Rippen im Gewebe fein. Vielleicht sehen deshalb manche Teile verdächtig aus wie Schutzkleidung vorm Fremdgehen. Und dann noch gleich im Sixpack vom Grabbeltisch als Langzeitschutz. Eine Beleidigung für jeden Mann, der unter Sixpack ganz was Anderes versteht - nämlich seine durchtrainierte Körpermitte, sein Powerhouse.

Anspruchsvolle greifen zu hochwertigen Klassikern, bei denen vor allem die Passform stimmt. Oder gleich zur Marke ihres Lieblings-Designers. Jeder Modeschöpfer, der auf sich hält, hat inzwischen eine eigene Wäschelinie. Witzigerweise kommt sie meist aus denselben Wirkereien, die auch die gerippte Standardware produzieren. Der feine Unterschied der Designer-Dessous ist dann das auffällig eingewebte Logo. Geschmackssache. Das Kind im Manne ist doch kein Baby, das verwechselt werden könnte (Oder möchte es etwa gerade das?). Deshalb braucht es eigentlich auch kein schmuckes Bündchen mit endloser Namensnennung um den Bauch. Es sei denn, der Junge heißt wirklich Calvin, Tommy oder hat sich ein Pseudonym namens Bruno zugelegt.

Seit kurzem mischt auch das weltbestbezahlte männliche Top-Model mit im Wäschemarkt: Markus Schenkenberg. Seine Kollektion vertreibt der schöne Schwede niederländischer Herkunft über den TV-Verkaufskanal QVC. Schenkenberg ist – wie seine weibliche Kollegin Heidi Klum – längst auch Top-Geschäftsmann. Er bewirbt seine Unisex-Kollektion mit vollem Körpereinsatz in 1,93 Länge so anschmiegsam und verführerisch, dass auch Mädels zugreifen.

Das ist gewollt. Wie schon bei Jeans. Als die Hersteller spitz kriegten, dass die Mädels schon mal gern in die oft bequemeren Jeans ihrer Freunde schlüpfen, kreierten sie flugs eine eigene Größe für Girls: Boy-Friends-Cut. Damit wollen sie jetzt auch bei der Unterwäsche einen guten Schnitt machen. Wo und wie sie Markus Schlüpfer am liebsten tragen, verrieten die Teilnehmerinnen seines eigenen Model-Contests: „Im Bett.“

Ganz früher, in grauen Vor-Designer-Zeiten, stand der Name in der Unterhose schlicht für hochwertige Qualität: Reiner Mako. Damit ist allerfeinste Baumwollqualität gemeint. Auch heute noch eine gute Empfehlung. Es lohnt sich, die einschlägigen Angebote bis Z durchzuklicken, bis Zimmerli. Da sieht man’s dann: Die Schweizer sind gar nicht so langweilig, wie man ihnen oft nachsagt. Sie sollen sogar die beste Unterwäsche der Welt haben.

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

Kommentare zu " Dress for Success: Wenn der Sixpack in die Hose geht"

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  • Ja, ja - uniform ist Norm. Wie wär's denn zur Abwechslung mal mit der Devise "Ich ziehe an, was mir gefällt"? Sapere aude! Es gibt schon genug Heinis, die mir tagtäglich weismachen wollen, was angeblich geht und was nicht.

  • Zimmerli soll also auf einmal die beste Unterwäche der Welt bieten? Da darf es dann also auf einmal wieder Feinripp sein, weil ein angeblich so cooler Name drauf steht. Wie verlogen ist das denn? Das mit den Rippen war mal aus der Mode, kam wieder und nun machen es auch die Schweizer nach. Toll! Dieser ganze Blödsinn mit den labels schadet der Gesellschaft, denn die wenigsten achten doch dabei auf die Qualität. Wie z.B. bei der Oberbekleidung, wo die Käufer sich als etwas besseres fühlen oder zumindest einer edlen Gruppe angehören sollen, je nach label. Als wenn die Käufer Ahnung von Qualität hätten, sie kaufen nur den Namen und finden sich toll. Es steht schon in jedem Büchlein mit Bewerbungstipps: Achten Sie auf ihre Kleidung und meiden Sie bestimmte labels, denn man wird Ihnen schnell klar machen, wer der BOSS ist.

  • Das ist doch Pipifax.

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