Dress for Success
Wo der Lindner die Locken hat

Das Outing von Trainer Jürgen Klopp und Politiker Christian Lindner macht vielen Männern Mut: Immer mehr lassen sich Haare an die lichten Stellen des Hauptes verpflanzen. Das kann aber weh tun – auch im Portemonnaie.
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Lautete 1969 der Wahlkampf-Slogan der FDP noch „Wir schaffen die alten Zöpfe ab“, stehen jetzt, nachdem die jüngsten Ergebnisse zum Haareraufen waren, die Zeichen auf Wachstum. Aus eigener Kraft. Seit Borussen-Trainer Jürgen Klopp und FDP-Hoffnungsträger Christian Lindner zugegeben haben, ihren Kopf hingehalten zu haben für Eigenhaartransplantationen („Ich finde, das Ergebnis ist ganz cool geworden, oder?“), sind die Behandlungszahlen in spezialisierten Kliniken sprunghaft angestiegen, an der Düsseldorfer Königsallee um bis zu 30 Prozent.

Denn volles Haar gilt immer noch als sexy. Dabei soll doch gerade eine Überproduktion des Männlichkeitshormons Testosteron für den Haarausfall verantwortlich sein. Die meisten befragten Frauen finden denn auch Glatzenträger attraktiver als die mit dem Kränzchen oder den über den Kopf gekämmten Strähnen.

Vorbeugen kann Mann kaum. Haarausfall ist nun mal erblich bedingt. Diagnose: Androgenetische Alopezie. Bis zu 80 Prozent der Männer sind davon betroffen, viele von ihnen leiden darunter. Manche haben schon während der Pubertät erste Ausfallerscheinungen auf dem Kopf. Bei anderen lichten sich die Ecken zwischen 20 und 30, bei einigen kommt zuerst oben das Knie durch.

Dagegen ist – trotz breiter Angebotspalette in Drogeriemärkten und Apotheken – eigentlich kein Kraut gewachsen. Manche versuchen es mit einem Mittel, das eigentlich gegen Bluthochdruck eingesetzt wird. Amino- oder Kieselsäure, Koffein, Gingko oder Grüner Tee helfen nicht wirklich.

Bleibt als optisch wirksamstes Mittel die Eigenhaartransplantation. Sie ist inzwischen eine der gefragtesten Behandlungen im Bereich der Plastisch-Ästhetischen Chirurgie für Männer. Vor allem Top-Manager und Spitzen-Politiker wollen wieder mehr Wolle auf dem Kopf.

Und wie geht das? Bei der Eigenhaarverpflanzung unterscheidet man die FUT- (Follicular Unit Transplantation ) und die FUE-Technik (Follicular Unit Extraction). Das FUT-Verfahren klingt ein bisschen barbarisch nach Skalpieren auf Indianerart. Dabei werden streifenweise Haut und Haar vom noch dichten Haarkranz am Hinterkopf gelöst und Stückchen für Stückchen in den lichten Bereich verpflanzt. Wird vor allem bei ausgeprägten Stirnglatzen und Tonsuren praktiziert. Die Behandlung erfolgt unter örtlicher Betäubung, kann trotzdem ganz schön ziepen, berichtet ein Skalpierter. Die Wunde wird anschließend vernäht.

Exklusiver und narbenfrei, dafür zeit- und kostenaufwendiger ist die mikrochirurgische Einzelhaartransplantation mittels FUE-Technik. Dabei werden mit einem Hohlbohrer einzelne Haare samt Follikel aus dem noch vorhandenen Haarkranz entnommen und anschließend mit einer Mikronadel dort eingesetzt, wo sie dann nach etwa drei Monaten weiter sprießen - aber auch später wieder ausfallen können. Eine Methode für kleinere Areale, wie die Geheimratsecken bei Lindner.

Was kostet denn nun so ein neuer Wuschelkopf? Berechnet wird nach einzelnen Haaren, bzw. Büschelchen oder Streifen. Da kommen dann bei Geheimratsecken so etwa 2000 bis 4000 Euro zusammen. Die Neubepflanzung von größeren Flächen kann – zum Beispiel in der Schweiz – bis zu 10.000 Euro kosten. Wenn dazu noch die Tonsur verschwinden soll, auch schon mal das Doppelte. Der britische Fußball-Nationalspieler Wayne Rooney soll ja seinerzeit zigtausende Pfund für seine neue Haarpracht ausgegeben haben.

Kann man auch billiger haben, wenn Mann sich traut. Es gibt inzwischen einen regen Tanshair-Tourismus in die Türkei. Da kostet es nur die Hälfte. Und man kann die Tortur sogar mit Familienurlaub verbinden.   

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

Kommentare zu " Dress for Success: Wo der Lindner die Locken hat"

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  • Wenn ich Fäkalkommentare wie hier lese, weiß ich wieder, warum Volksbfragungen vermutlich das Allerdümmste wären, was wir tun könnten! Dabei kommt alles raus außer Schwarmintelligenz. Zumindest scheint ein Teil der HB-Leser seine Intelligenz zwischen den anderen Backen zu haben!

    Und die anderen, die hier um den in der Wahl ausgedrückten Vokswillen jammern. Derzeit geht es FÜR UNS NUR darum, ob wir eine Regierung haben, die jeden Untersuchungsausschuss und den Gang zum BVerfG unmöglich macht (CDUSPD) oder eine, bei der das wenigstens noch möglich ist und eine schlagkräftige Opposition (möglich nur, nicht von selber) bei CDUGrüne. Denkt doch mal nach! Der einzige GAU für Demokratie ist die Groko.

  • Be-Klopp-t.

  • "Dagegen ist – trotz breiter Angebotspalette in Drogeriemärkten und Apotheken – eigentlich kein Kraut gewachsen."

    Das ist schlecht recherchiert, tut mir leid. Schon länger wird Finasterid (http://de.wikipedia.org/wiki/Finasterid) in 1mg-Dosis in Tablettenform als nachweislich wirksames Mittel gegen den erblich bedingten Haarausfall eingesetzt, verschreibt der Dermatologe nach erfolgter Diagnose. Hat den Nachteil von Nebenwirkungen, aber es wirkt.

    Ich habe mich nach längerem für und wider dagegen entschieden, aufgrund der Nebenwirkungen, transplantieren lassen würde ich aber auf gar keinen Fall.

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