Fabrikation in Bangladesch
„Das Teuerste sind die zusätzlichen Sozialleistungen“

Wie lassen sich Katastrophen wie in Bangladesch künftig vermeiden? Wie viel muss ein T-Shirt oder ein Hemd kosten? Interview mit Christian von Daniels, geschäftsführender Gesellschafter von Hemdenhersteller van Laack.
  • 6

Handelsblatt: Erst kommt die Mode, dann die Moral? Seit beim Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch mehr als tausend Menschen ums Leben kamen müssen sich Hersteller, die in Fernost fertigen lassen diesen Vorwurf gefallen lassen. Zu Recht?

Von Daniels: Das mag vielleicht für Billiganbieter und Handelsketten gelten. Uns betrifft das nicht. Wir fertigen in Fabriken die uns auch gehören.

Wie unterscheiden die sich von den Produktionsstätten für Massenware?

Uns wird immer wieder gesagt, unsere Fabrik in Hanoi sehe aus wie ein Hotel. Das soll sie auch. Die Menschen sollen sich darin wohl fühlen und anständig behandelt und entlohnt werden. werden. Bei uns liegt der Stundenlohn doppelt so hoch wie in Bangladesch.

Reicht das zum Wohlfühlen?

Nein, das Teuerste sind die zusätzlichen Sozialleistungen.

Sind die vergleichbar mit europäischen Fertigungsstätten?

Die müssen in bestimmten Bereichen sogar darüber hinausgehen. Zur übertariflichen Bezahlung kommt der Bus-Shuttle für die Angestellten, die sind bei van Laack nicht kaserniert wie oft in fernöstlichen Betrieben, Klimaanlagen, auch keine Selbstverständlichkeit, Gratisessen, bei uns gibt es frischen Fisch und frisches Fleisch, wir haben einen Kindergarten. Ganz wichtig sind unsere Trainingsprogramme im eigenen Center, vor allem auch Sprachunterricht. Und, klingt auf den ersten Blick vielleicht banal, Parkwächter.

Worauf passen die auf?

Vietnam ist – noch – ein Land der Zweiradfahrer. Dabei ist das Fahrrad oder gar Moped oft des Vietnamesen größtes Vermögen. Und wenn das geklaut wird, was schnell passiert, dann will oder kann der Bestohlene womöglich keine gerade Naht mehr nähen.

Klingt gut, wie viel machen solche Extras dann später beim Hemd aus?

Wir rechnen nach Prozessminuten. Die Minute muss als solche wirtschaftlich sein. Eines unserer Royal Hemden braucht 100 Minuten, bis es alle Arbeitsschritte und Kontrollen durchlaufen hat, ein handgearbeitetes Hemd 300 Minuten. Dagegen ist ein Billig-Hemd für den Massenmarkt in weniger als einer halben Stunde fertig. Bei unseren Hemden, die im Laden zwischen 100 und 130 Euro kosten, machen die Extras gerade mal einen von sechs Euro Arbeitskosten aus. Bei einem T-Shirt aus Bangladesch mögen das 10 Cent sein, damit ließe sich der Arbeitslohn der Näherin dort verdoppeln. Ich bin sicher, dass der Verbraucher gerne bereit ist, das zu bezahlen, wenn er dafür moralisch saubere Sachen bekommt.

Seite 1:

„Das Teuerste sind die zusätzlichen Sozialleistungen“

Seite 2:

„Vietnamesen sind praktisch die Deutschen Südostasiens“

Kommentare zu " Fabrikation in Bangladesch: „Das Teuerste sind die zusätzlichen Sozialleistungen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Verglichen mit den Alternativen der Vietnamesen sind das vergleichsweise gute Arbeitsplätze.

    In Osteuropa, China und einigen Tiger-Staaten hat unser Handel (mit anfänglichen Niedrigst-Löhnen) zu steigenden Löhnen geführt und weite Teile der Bevölkerung aus schlimmster Armut befreit.

    In China gibt es inzwischen Arbeitskräftmangel, auch bei den Wanderarbeitern: http://www.spiegel.de/wirtschaft/engpass-in-china-der-weltfabrik-gehen-die-arbeiter-aus-a-681537.html.

    Das ist der beste Arbeitnehmerschutz. Gälten weltweit unsere Sozialstandards, hätten die Entwicklungsländer niemals eine Chance.

    Auch in Vietnam werden die Löhne steigen. Aber nur, wenn wir ihre Produkte kaufen.

  • Ich finde es auch etwas fragwürdig, wie man sich in Deutschland als moralischer Mensch darstellt, wenn die Marge so extrem ist. Man kann doch echt nicht so tun, als würden die ihren Mitarbeitern in Vietnam einen Gefallen tun wollen. Sie tun in erster Linie sich selbst einen. Man muss ein Unternehmen interviewen, dass vergleichbar ist mit den durchschnittlichen in diesen Ländern fertigenden Unternehmen.

  • rummeiern und sich mit lohnsklavenhaltenden neoliberalen latrinenparolen durchtrollen.

    im kopf auf jeden fall ein minderleister

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%