Marbella Figura
Wo Promis und Politiker sich gesundschrumpfen

Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Wer nach Karneval richtig fasten will, kann das da, wo die Prominenz schon seit Jahrzehnten lustvoll Gemüsebrühe schlürft - zum Beispiel im einstigen spanischen Jet-Set-Spot Marbella.
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DüsseldorfSie sind in die Jahre gekommen, nicht alle in ihre besten: „Die Kinder von Torremolinos“ aus James A. Micheners Kult-Bestseller von 1971 – für Kiffer, Karmaverbesserer, Kriegsdienstverweigerer war dieser Abschnitt der Costa de Sol damals „Francos Goa“. Irgendwie ist das nahe liegend.

Auch für die Prominenz. Die traf sich nur einige Kilometer weiter im Marbella Club. Dort, wo schon Königin Isabella von Kastilien in Zeiten, als schlanke Taillen kurzerhand durch Miederzurren erreicht wurden, entzückt geseufzt hatte „Que mar bella“. Dort beherrschte Prinz Alfonso von Hohenlohe die Party-Szene des Jet-Sets. Und die Schlagzeilen, als er 1955 die 15-jährige Ira von Fürstenberg ehelichte. An seiner Seite Cousin Rudolf Graf von Schönburg als Hoteldirektor, seinerseits verheiratet mit der Urenkelin des letzten deutschen Kaisers. Die Reichen und Schönen kamen in Scharen: Ava Gardner, Audrey Hepburn, Jackie Kennedy, Prinz Rainier von Monaco, Christina von Onassis, Sean Connery. Die B-Prominenz drängte sich mit aufs Bild für die „Bunte“.

Die Bilder haben sich geändert. Doch Rudi Graf von Schönburg ist noch heute eine einflussreiche lokale Größe in Marbella. Zu seinem 80. Geburtstag im vergangenen Dezember bekam er einen Stern auf Marbellas Walk of Fame, auf dem auch Julio Iglesias, Montserrat oder die Herzogin von Alba im Wortsinne vertreten sind.

Als Highlight vor dem Abspecken empfiehlt sich eine Tapa-Tour mit „Conde Rudi“, wie ihn die „Marbellis“ liebevoll nennen. Jeder kennt ihn, grüßt ihn – und Rudi kennt die besten Spots in der Altstadt und all die Geschichten von früher: „Als ich in den frühen 50ern hier landete, musste noch das Vieh von der Landebahn vertrieben werden.“

Dann folgte der Massentourismus. Die Engländer verlangten Fish and Chips schon zum Frühstück. Heute ist es wieder ruhiger an der Küste. Aus hohlen Augen verlassener Hotelburgen leuchten „Se Vende“-Schilder, fast die Hälfte der Jugend ist arbeitslos in Andalusien, nur wenige Spaziergänger, Typ teuer gekleideter Rentner mit ondoliertem Hündchen, bevölkern die Strandpromenade. Vorfrühling. Hoffen auf eine gute, eine bessere Saison.

Doch alte „Marbellis“ wie Rudi bleiben optimistisch. Was den 80-jährigen Andalusier mit deutschem Pass so fit und wach im Kopf hält? Nicht nur das milde Klima, sondern auch das Rezept eines Hauses, dessen Standort er Anfang der 70er Jahre gemeinsam mit Maria Buchinger aussuchte. Die hatte sich im Urlaub in den Ort verliebt. Ihr Mann, Otto Buchinger, Marine-Arzt, Erfinder des Heilfastens und demzufolge Gründer der Buchinger-Klinik am Bodensee, blieb nüchtern: „Du kannst doch nicht das ganze Jahr Urlaub machen.“ Wollte Maria auch gar nicht: „Wir machen hier eine Klinik auf.“ Gesagt, Grundstück gesucht, getan. Das war vor 40 Jahren.

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