Mode fürs Mobiltelefon
Wenn die Handys Trauer tragen

150 Jahre Telefon - auch eine Mode-Frage. Handy-Outfits gibt’s vom gehäkelten iWärmer bis hin zum robusten Tauchanzug. Untragbar ist allerdings oft der Umgang mit dem Gerät. Dress for Success nimmt sich des Handys an.
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Es soll in den letzten Tagen Leute gegeben haben, die im Gedenken an iGod Steve Jobs spontan ihr Smartphone schwarz eingekleidet haben. Wenn die Handys Trauer tragen...

Und nicht nur dann - treibt die Mode für mobil phones oft seltsame Blüten. Girls lieben hand gehäkelte iWärmer, filzige Beuteltiere mit Schwänzchen oder Bling-Bling-Modelle voller glitzernder Swarovski-Steinchen. Männer verpassen ihrem Handy auch schon mal eine Taucherausrüstung aus Neopren oder eine Ritterrüstung aus robustem Polycarbonat. Wenn sie es nicht gleich nackt tragen. Gut Betuchte lieben Luxushandys, die leicht zigtausend Euro kosten, dabei aber manchmal wesentliche Features vermissen lassen – außer: zu wissen, es ist Platin. 

Mode-Avantgardisten, die man daran erkennt, dass man die Marke nicht erkennt, die sie tragen, gönnen ihrem smarten Telefon individuelle namenlose Hüllen.Yvonne Szhong, eine gelernte Schneiderin, hat ihre Leidenschaft für Leder in kleine Luxus-Formate umgesetzt. Die bietet sie über ihre Marke DaWanda an. Handicraft fürs Handy: feines Rindsleder mit weichem Filzfutter zum Beispiel. Maßgeschneidert für die verschiedenen Marken. Damit sehen Nachrichten immer gleich gut aus.

Man vergisst leicht, dass das Telefon erst 150 Jahre alt ist, lange an der Schnur gefangen war, und erst relativ spät mobil wurde. In den in frühen 1990er-Jahren trugen Großstadt-Cowboys ihr Gerät noch stolz am Gürtel wie den Colt im Holster, allzeit schuss-, pardon, sprechbereit. Zum Neidwesen derer, die noch keins hatten. Die gaben gut und gerne hunderte DM für eine Attrappe aus. Selbst Anrufe waren zu dieser Zeit oft nicht echt, sondern vorbestellt. Oder belanglos: „Schatz, ich bin gerade gelandet“. Die drei Worte „Ich-bin-gerade“ dürften überhaupt die meistbenutzten am mobilen Telefon sein. Auch nicht immer wahr. Selbst Hintergrundgeräusche kann man sich zur Not(lüge) vorbestellen. 

Ein Handy zu haben, bedeutet eben noch lange nicht, dass man damit auch anständig umgehen kann. Jeder Dritte fühlt sich  genervt von lauten Telefonaten in seiner Nähe. Denen der Anderen wohlgemerkt, nie der eigenen. Wenn’s gerade nicht benutzt wird, benutzen viele ihr Handy auch gern zur nonverbalen Kommunikation, als Statussymbol. Sie werfen ihr Telefon auf die Theke wie einst die Autoschlüssel. Wer besonders prollig sein will, knallt beides gleichzeitig drauf. Schaut her, ich bin’s: wichtig. 

Gilt auch für die Unsitte im Restaurant: das aktivierte Telefon auf Linie mit dem Besteck legen und damit dem Gegenüber signalisieren, dass einem das erwartete Gespräch wichtiger ist als das gegenwärtige Tischgespräch. Wenn man einen dringenden Anruf erwartet: auf lautlos stellen oder Vibrationsalarm. Im Zweifelsfall: Einfach ausschalten. 

Überhaupt: Wie wäre es, wenn wir in Gedenken an Steve Jobs mal weltweit einige Schweigeminuten einlegen würden, mit allen smarten und sonstigen phones...

 

 

 

 

 

 

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

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  • Eine kleine Korrektur: DaWanda ist nicht die Marke, sondern das Portal, über das Frau Dzhong (nicht Szhong) ihre Produkte anbietet.

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