Nachhaltige Kleidung
Bambus für den Body

Jeder Mann kann etwas Nachhaltiges für die Umwelt tun - indem er in eine vegane Unterhose schlüpft, zum Beispiel aus schnell nachwachsendem Bambus. Die wurden auf dem Weltwasserforum vorgestellt, pardon vorgetanzt.
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Düsseldorf„Time for Solutions“ hieß das Motto des 6. Weltwasserforums in der französischen Mittelmeermetropole Marseille. Zeit, Lösungen zu finden. Das versuchten rund 20 000 Teilnehmer aus Wirtschaft und Wissenschaft aus aller (Um)Welt. Die Verständigung war nicht immer einfach. Nicht nur, weil die Probleme so komplex sind.

Umso erfrischender war die Eröffnungsveranstaltung in Form eines Balletts mit dem Titel „H2O Mémoires de l’Eau“. Kraftvoll vorgeführt vom Ballet D’Europe. Große Schau im nüchternen Kongreß-Zentrum, Heimspiel für die 1968 in Marseille gegründete Wäschefirma HOM, die den Weltkongress zur Promotion ihrer geplanten veganen Männerwäsche nutzte.

Ein Bühnenbild wie eine Wasserfläche, Sphärenklänge und begnadete Körper, eingehüllt – oder gerade nicht – in elastische Fasern. Eine breite, schimmernde Folie symbolisiert Wasser in Bewegung. Darauf: ein Dutzend Tänzer in wasserfarbenen Ganzkörper-Kapuzenpullis. Sie verkörpern die einzige chemische Verbindung, die als Flüssigkeit, Gas sowie als Festkörper daherkommt: H2O.

Das renommierte Ballett, das virtuos den Spagat zwischen klassischem und modernem Tanz beherrscht, wird kraftvoll unterstützt von einem halben Dutzend Hip-Hop-Tänzern aus Marokko, wo übrigens auch die „nachhaltigen Unterhosen“ hergestellt werden.

Wenn Öko so kunstvoll in die Hose geht, ist die unterschwellige Botschaft nicht leicht zu vermitteln, auch, weil sich die Sponsoren wohltuend zurückhalten. Ihr Produktversprechen soll subtil verbreitet werden: mehr Bewegungsfreiheit, weniger Umweltbelastung. Dafür geht Hom eine Partnerschaft mit dem avantgardistischen Berliner Öko-Label Umasan ein. Für das wirken – im doppelten Wortsinne – die Zwillingsschwestern Anja und Sandra. Anja hat schon für das japanische Kult-Label Yamamoto gearbeitet, fernöstliche Einflüsse sind auch in der subtil-ästhetischen Berliner Öko-Kollektion unverkennbar.

Vegan steht dabei für den Verzicht auf tierische Inhaltsstoffe. Die nachhaltigen Hom-Hosen bestehen aus Micromodel, einer Art Zellulose aus dem Buchenbaum oder Seacelll, einer Mischung aus Meeresalgen und Holzfasern. Und Bambus. Dieser glückssymbolträchtige, schnell nachwachsende Rohstoff nimmt Treibhausgase auf, produziert seinerseits Sauerstoff und benötigt dabei relativ wenig Wasser. Auch bei der Färbung, allerdings nicht in Naturfarben, sondern schwarz, weiß und flaschengrün. Sieht an durchtrainierten Tänzern natürlich toll aus.

So eine leichtfüßige Hom-age ans Wasser löst sicherlich keine Weltwasserprobleme, kann aber vielleicht ein Tropfen sein im Weltmeer der Möglichkeiten, der Einzelne zum Überlaufen bringt. Zu nachhaltiger Mode.

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

Kommentare zu " Nachhaltige Kleidung: Bambus für den Body"

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  • Ist denn beim oberen Bild etwas die Unterhose im Schritt gerissen?
    Kein gutes Bild für HOM - respektive die Weltfirma "TRIUMPH", die dahinter steckt!

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