Relax for Success
Lanzarote verhindert Öl und setzt auf Kunst

Die Insel Lanzarote kann aufatmen. Die umstrittenen Öl-Bohrungen vor der Küste sind eingestellt. Stattdessen bestückt der Künstler Jason de Caires Taylor jetzt das Tauchparadies mit Skulpturen von Inselbewohnern.
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Lanzarote/DüsseldorfSonntags ist auf Lanzarote Markt in den alten Straßen der ehemaligen Inselhauptstadt Teguise. Im Schuh-Shop grinst eine Schaufensterfigur über einem Schild: „Bye, bye Repsol“. Das Logo mit dem teerschwarzen Händeabdruck ist keine Sportschuhmarke.

Repsol ist ein Petrochemie-Konsortium (20 Prozent hält der deutsche RWE, 20 Prozent das australische Unternehmen Woodside). Dem wurde vor vier Jahren nach einem königlichen Erlass erlaubt, vor der Küste Lanzarotes nach Öl zu bohren. Was dem Pauschal-Touristen ziemlich egal sein dürfte. Der denkt bei Öl eher an Sonnenmilch, vielleicht noch an seinen eigenen Schutzfaktor, kaum jedoch an den der 1993 von der Unesco zum Biosphärenreservat erklärten Ferieninsel. Schließlich haben die meisten „all inclusive“ gebucht. Da sind Probleme nicht mit drin.

Die Argmente von Repsol: Wenn man auf Öl stieße – vermutet wurde das größte Vorkommen in Spanien überhaupt – könne man bis zu zehn Prozent des Bedarfs im eigenen Land aus eigenen Lagerstätten decken. Darüber hinaus würden tausende neue Arbeitsplätze geschaffen auf den Inseln, deren Arbeitslosenquote über 30 Prozent liegt.

Doch von Anfang an gab es heftige Proteste, nicht nur von den Inselregierungen, auch von Umweltorganisationen wie WWF und Greenpeace oder der internationalen Union für die Erhaltung der Natur. Aus der Bevölkerung beteiligten sich mehr als 40.000 Personen aus Lanzarote und Fuerteventura, darunter auch viele Residents, vor allem Briten und Deutsche, die weiterhin ungestört auf ihren „Inseln des ewigen Frühling“ ihren Lebensabend genießen wollen. Die Inselregierung organisiert regelmäßig Info-Abende für ihre ausländischen Mitbürger. Dazu läuft weltweit eine Unterschriftenkampagne .

Unterstützung erhielt die Protestbewegung auch mehr oder weniger von deutschen, britischen und skandinavischen Reise-Agenturen. Der Tourismus ist die Haupteinkommensquelle der Kanaren. Für die Agenturen sind die Kanaren auch eine wichtiges Ausweich-Ziel, wenn es woanders zu ungemütlich wird, etwa in Ägypten oder Griechenland.

Die Sorge gilt nicht nur der touristischen Infrastruktur (mehr als zwölf Millionen Touristen im Jahr besuchen pro Jahr die Inseln), sondern vor allem der Meeresfauna, den Lebensräumen von Walen und Delphinen. Der von der kanarischen Regierung beauftragte Experte Ezequiel Navio Vasseur mahnt: „Wir sprechen von Inseln, die in ihrer Gesamtheit zu Biosphärenreservaten erklärt, in deren Gewässern mehr als die Hälfte der Meeressäuger der Welt beheimatet sind.“

Nicht zu vergessen die Wasserversorgung. Lanzarote und Fuerteventura beziehen ihr Nutzwasser aus Meerwasserentsalzungsanlagen. Eine Ölkatastrophe wäre immer auch Wasserkatastrophe. Die Lanzarotenos verweisen dabei auf den Öl-Unfall im Golf von Mexiko im April 2010. Dabei flossen 700 Millionen Liter Öl ins Meer, weite Teile der Küsten wurden verschmutzt, elf Menschen starben.

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Die Inselregierung bleibt skeptisch

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