Schuh-Hype
Von Lotus-Füßen und schwindelerregend hohen High-Heels

In Leipzig hat der Schuh die Schwelle zum Museum überschritten. Lässt man Künstler und Architekten wie Keith Haring oder Zaha Hadid ran, kommt paarweise Großartiges heraus – eine Ausstellung experimentellen Schuhdesigns.
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DüsseldorfAm Anfang lief der Mensch mit bloßen Füssen durchs Leben. Aber nicht allzu lange. Es galt die Füße vor Verletzungen und Kälte zu schützen, auch zu schmücken. So wurde Schuhwerk, mehr als jedes andere Kleidungsstück zum Kulturgut, vor allem für die höheren Stände. Nur Sklaven und Märtyrer liefen weiter barfuß.

Deshalb geben Schuhe auch im übertragenen Wortsinne Auskunft über den Stand des Trägers. Ist Er Soldat auf dem Sprung oder Sie Pop-Star auf dem Roten Teppich? Fußballer, Sprinter oder Surfer? Und dann erst die Schuhfetischisten und manischen Sammler wie beispielsweise Imelda Marcos.

Die ehemalige First Lady der Philippinen hatte im Laufe der Jahre mehr als 1200 Paar Schuhe angehäuft. Es soll auch Männer geben, die mehrere hundert Paar im Schuhschrank haben, wie gerade erst ein Schuh-Designer in Düsseldorf zugab.

Schuhe können kleine Kunstwerke sein, sogar abartig winzige, wenn man an die winzigen Lilienschuhe vornehmer chinesischer Damen denkt. Mehr Folter als Fashion. Dafür wurden Zehen gebrochen und Füße bandagiert, um die Lotusfüßchen klein zu halten.

Die daraus resultierenden Trippelschritte und die notwendige Anspannung der Beckenmuskulatur galten als stimulierend für die Liebeslust – vorzugsweise die des Mannes. Aber auch in anderen Kulturen finden Männer die auf großem Fuße leben, Frauen mit kleinen Füssen erotisch – siehe Aschenputtel.

Von den Bandagen hat sich die moderne Frau inzwischen befreit, doch fürs Folter-Instrument High Heel gibt sie heute freiwillig gern vierstellige Beträge aus. Darüber freut sich nicht nur die Männerwelt, sondern auch der Ärztestand, allen voran die Orthopäden. Film und Fernsehen überhöhen den Kult serienweise. Seitdem müssen Schuhe einen Namen haben, es sind „lovely Louboutins“ oder „meine Manolos“. Höher, schicker, enger

Überdreht man den Hype und lässt Künstler, Designer und Architekten wie Keith Haring oder Zaha Hadid ran, kommt paarweise Großartiges heraus, eine Ausstellung experimentellen Schuh-Designs. Zu bewundern ab 28. März im Leipziger Grassi-Museum.

Da wird gespielt, gebaut und verziert mit den verschiedensten und ungewöhnlichsten Materialien vom Hightech-Gewebe bis zum Elefantendung. So entstehen abenteuerliche Skulpturen: Haifisch-Pumps, Wurzelbürsten-Sandalen, Absätze aus Pistolen, Holland-Klotschen in Busenform. Tragbar? Iwo! Aber sonderbar bis wunderbar.

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

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  • Ich mag gerne high heels zu Kostüm, Rock und Kleid. "frau" sieht da viel besser angezogen aus. Das möchten auch gerne Frauen mit "grösseren Füssen", damit meine ich beginnend ab Gr. 41. Leider fällt den Designern ab dieser Schuhgrösse gar nichts, rein gar nichts ein und man ist immer einer Riesen-Suchaktion ausgesetzt, solche Schuhe zu finden.Meistens werden ab 41 nur ALTBACKENE MODELLE angeboten. Also, Schuhdesigner, lasst euch endlich mal was einfallen.

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