Ein Wochenende in Jena
Pröbeleien unter der Thüringer Keksrolle

Unter dem „JenTower“, dem Wahrzeichen Jenas, blüht eine reiche Forschungslandschaft mit vielen innovativen Firmen. Die thüringische Universitätsstadtund und die sie umgebende Region sind wirtschaftliche Leuchttürme im Osten Deutschlands. Und auch in kultureller Hinsicht hat Jena einiges zu bieten.

Wer die Unterwelt von Jena kennen lernen will, wird auf nächstes Jahr vertröstet. Dann, 2008, feiert sich die thüringische Universitätsstadt auf zweierlei Manier selbst: Erstens wird die Friedrich-Schiller-Universität ihr 450. Jubiläum begehen. Und zweitens wird Jena sich als „Stadt der Wissenschaft 2008“ präsentieren, wozu auch Einblicke in sonst verschlossene Orte der Forschung gehören, etwa Keller und Kammern von Labors, Instituten und Kliniken.

Alle, die nicht bis nächstes Jahr warten können, sollten sich heute schon in die Carl-Zeiß-Straße 1 begeben. Dort, im Erdgeschoss der Hauptverwaltung des Technologiekonzerns Jenoptik, gibt es Exponate der Forschungs-, Entwicklungs- und Produktpalette des Laser- und Optikunternehmens zu bestaunen – und eine erste Erklärung dafür, warum Jena vom „Stifterverband der Wissenschaft“ in den Rang einer Wissenschaftsstadt erhoben worden ist. Und warum Stadt und Region wirtschaftliche Leuchttürme im Osten Deutschlands sind, was eben erst im Zukunftsatlas von Handelsblatt und Prognos bestätigt wurde.

Im Ausstellungsfoyer von Jenoptik können wir uns zum Beispiel – ausprobierend – fragen, warum beim Fotografieren der Fotografenkopf heiß läuft, die Kameralinse eiskalt bleibt. Wir können aber auch Rendezvous- und Dockingsensoren aus Jena beäugen, die für die internationale Raumstation ISS entwickelt und gebaut werden.

Gleich nebenan, im Foyer eines Universitätsgebäudes, versammeln sich gelegentlich Wissenschaftler aus aller Welt zu Fachseminaren. Zuletzt stellten Chemiker ihre Errungenschaften aus – und zwar vor einer ansehnlichen Nachbildung antiker Götter. Dass die Begeisterung für die antike Klassik sich durchaus mit dem Tempo der Industriemoderne verträgt, beweist eine Inspektion der „Schott-Villa“ in der Otto-Schott-Straße. Im Obergeschoss des Hauses sind Abgüsse und Originale – unter anderem ein Terrakottakopf „Medusa“ – ausgestellt, die der erfolgreiche Amateurarchäologe, Gründer, Sozialreformer und Industrielle Otto Schott erworben hatte.

Schott, Ernst Abbe, Carl und Roderich Zeiß gründeten 1884 in Jena das Glastechnische Laboratorium Schott & Genossen (später: Jenaer Glaswerk Schott & Gen.), aus dem – nach langen Wirren während der Nazizeit und in der DDR – der Schott-Konzern wurde, mit Sitz in Mainz und dem alten Stammwerk in Jena, wo heute die Konzerntöchter Jenaer Glas, Lithtec AG und Displayglas Jena produzieren. Rund um Optik und Glas sind in Jena und Umgebung viele innovative Unternehmen entstanden, die im Weltmarkt prägend sind.

Das ziemlich neue Schott-Glasmuseum, gleich am Eingang des Werksgeländes, zeigt eindrucksvoll, was mit dem durchsichtigen Medium alles anzustellen ist – bis hin zu einer stoffbezogenen Wand mit Loch, hinter der es wie aus Elfenharfen geheimnisvoll gläsern klingt und klingelt. „Glas hören“ steht darüber. „Zunge zeigen“ könnte über dem klassisch gewordenen Warhol-Porträt Albert Einsteins stehen, welches im Glasmuseum dazu dient, Unterschiede zwischen nicht entspiegeltem und entspiegeltem Glas zu demonstrieren, das hier in Jena entwickelt wurde.

Seite 1:

Pröbeleien unter der Thüringer Keksrolle

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%