Einreisekontrollen in Japan
Zeigt her Eure Fingerchen

Japans Regierung setzt wie immer große Hoffnungen auf modernste Technik: An allen 27 Flughäfen und 126 Häfen des Inselreichs müssen sich einreisende Ausländer seit Montag biometrisch vermessen lassen, um das Land sicherer zu machen. Die Regierung will den USA im Kampf gegen den Terror beistehen - und ruft damit Empörung hervor.

TOKIO. Justizminister Kunio Hatoyama zufolge sollen die Behörden damit in der Lage sein, Terroristen vor der Tür zu halten. Bisher sei es für Menschen mit bösen Absichten viel zu einfach, ins Land zu kommen, so der Minister. Eine Datenbank mit Fingerabdrücken und Fotos aller Einreisenden soll das nun ändern. Unabdingbar sei auch Zusammenarbeit mit anderen Länden.

Einer der ersten Deutschen, die sich der neuen Prodezur an der Grenze unterziehen lassen mussten, war der Patentanwalt Thomas Albrecht aus München. Er kam am Montagvormittag am Flughafen Narita bei Tokio an – und war erstaunt, als der Grenzbeamte ihn zur Abgabe seiner Fingerabdrücke aufforderte. „Die Behandlung war durchaus nett, viel freundlicher als in den USA“, sagt Albrecht. „Trotzdem bleibt das Gefühl, dass mir etwas weggenommen wurde. Oder als ob die in mich hineingeguckt hätten.“

Der Eindruck ist verständlich: Außer zwei Fingerabdrücken verlangt Japan von Nichtjapanern auch ein Foto, aus dem sich biometrische Daten zur Gesichtsform gewinnen lassen. Computer sollen damit Menschen auf Bildern von Überwachungskameras wiederfinden können. Die neuen Maschinen an der Passkontrolle sind einen knappen halben Meter hoch, stammen von der Firma NEC und verfügen oben über eine Kamera mit Monitor und unten über V-förmig angeordnete Fingerabdrucksensoren. Der Computer fordert einen beim Fotografieren so lange zu neuen Fotos auf, bis er mit dem Neigungswinkel des Kopfes zufrieden ist. Schließlich muss auch die Datenqualität stimmen.

Damit die Erfassung sinnvoll ist, braucht Japan jedoch auch Biometriedaten von Terroristen, um sie an der Einreise hindern zu können. Die kommen aus einer nahe liegenden Quelle: Der große Bündnispartner USA besitzt angeblich mehrere 100 000 Datensätze gefährlicher Personen, die er den japanischen Behörden zur Verfügung stellt. Bislang stehen Amerika und Nippon jedoch weltweit alleine da mit der biometrischen Vermessung. Mit dem ganzen System sei hier wie dort das Menschenrecht auf Schutz persönlicher Informationen verletzt, sagt Makoto Teranaka von Amnesty International. Künftig könnte auch Japan den Sicherheitsdiensten verbündeter Länder im Gegenzug Daten von Reisenden zur Verfügung stellen, warnen Datenschützer.

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