Eisenbahn-Ausflug in Österreich
Frühherbst für Schienenfreunde

Es sind nur ein paar Schritte vom Belvedere, dem Barockschloss des Prinzen Eugen, hinüber zum Wiener Südbahnhof. Der Weg lohnt sich. Denn der nüchterne Nachkriegs-Bau ist Ausgangspunkt für einen faszinierenden Kurztrip zum Semmering-Pass in der Mittelgebirgslandschaft südlich der Donaumetropole. Wien-Besucher mit dem Sinn für das Besondere sollten nicht den Eisenbahn-Ausflug zum Semmering versäumen.

Für die Wiener ist es ihr „Zauberberg“, der jetzt neuen touristischen Glanz durch drei Hotel-Projekte bekommen soll – allen voran die geplante Wiedereröffnung des legendären Südbahnhotels, einst errichtet von jener Gesellschaft, die auch die Schienenstrecke baute.

Wer sie bereist, ist der Technikgeschichte ebenso auf der Spur wie der k.u.k-Vergangenheit und den Tagen des frühen Individual-Tourismus, in denen die belebende „Sommerfrische“ großbürgerliches wie adeliges Vergnügen war. Selbst für Ihre Apostolische Majestäten, die Kaiser von Österreich und Könige von Ungarn. Denen ist der höchstselbige Beschluss zu verdanken, die erste Hochgebirgsbahn der Welt zu bauen.

Dabei galt es, tiefe Schluchten zu überqueren, zahlreiche Berge zu durchbohren und die Bahn an steilen Felswänden entlangzuführen. Carlo di Ghega, Planungschef der Staatsbahn, baute eine Trasse mit 129 Brücken, 15 Tunneln und 16 Viadukten, zum Teil zweistöckig, mit langen Galerien, großen Gleiskurven und steilen Rampen zum Aufstieg auf die Passhöhe. Eröffnet wurde die Bahn 1854 von Kaiser Franz Joseph.

Im Bahnhof Semmering, 895 Meter über dem Meer und lange Zeit höchster auf Schienen erreichbarer Punkt der Welt, erinnert ein Denkmal an Ghega. Die über 1 000 Arbeiter, die beim Bau umkamen, bleiben unerwähnt. Indes ernannte die Unesco die Semmeringbahn zum Weltkulturerbe, weil sie „eine herausragende technische Lösung repräsentiere“.

Besser als vom Zug aus lässt sich die Technik vom Wanderweg entlang der Bahntrasse aus bestaunen. Nur so sieht man die riesigen Kunstbauten, vor allem die aus über 60 Millionen Ziegeln gemauerten Viadukte.

Wer den langen Tagesmarsch scheut, wählt die bequem in zwei Stunden gehbare Kurzvariante des Spaziergangs vom Ort Semmering auf den Doppelreiterkogl . Vom Aussichtsturm auf der kleinen Bergkuppe lässt sich ein Großteil der Eisenbahnstrecke einsehen. Es bewegt sich so viel auf den Schienen und Bahnhöfen in dieser malerischen Fels-, Wald- und Wiesenlandschaft, dass der Beobachter zuweilen meinen könnte, er stünde inmitten einer gigantischen Modellbahn -Anlage.

Fast unwirklich ist auch das Panorama vom Balkon des eleganten Hotels Panhans aus, der ersten, aber durchaus erschwinglichen Adresse im Örtchen oberhalb des Bahnhofs von Semmering. Über die Berglandschaft geht der Blick bis weit in die Ebene, in der – fast erahnbar – Wien liegt.

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