Elsaß-Lothringen
Spur der Steine

Entlang der deutsch-französischen Grenze in Elsaß-Lothringen zeugen Festungen von wüsten Zeiten. Jetzt zieren sie friedliche Wanderwege. Ein historischer Spaziergang.

Der Wind weht hieroben kräftig. Vögel kreisen. Weit geht der Blick über die Landschaft. Ringsum breitet sich ein abwechselnd hell- und dunkelgrüner Waldteppich aus, durchbrochen von Blöcken aus Buntsandstein.

Einer dieser roten Steine, ein über 40 Meter hoher und bis zu acht Meter breiter Fels, trägt die noch immer gewaltigen Reste der einstigen Burg Fleckenstein aus dem 12. Jahrhundert nahe dem elsässischen Lembach – Einstieg in die kriegerische Welt des immer wieder umkämpften Grenzlands zwischen Deutschland und Frankreich.

Teilweise als Wohnhöhle in den weichen Sandstein geschlagen, teilweise als gehauener Stein auf dem Urfels aufgetürmt, barg Fleckenstein rund ein halbes Dutzend kleinerer Säle und Räume, Stallungen und sogar einen eigenes Wirtshaus. Zu sehen sind nur noch Teile dieses einst so feudalen Bollwerks. Alles andere ist zerstört, verwittert.

Vom Rittersaal aus führen ausgetretene schmale Treppen zum ehemaligen Wohnpalast, der heute Aussichts-Plattform ist. In luftiger Höhe ragt noch ein Stück freistehende dicke Wand mit Fenster und eingemeißeltem Familienwappen in die Leere.

Der Gegensatz zwischen dem hochaufragenden ehemaligen Raubritternest Fleckenstein und den tief in der Erde versteckten Forts der Neuzeit könnte kaum größer sein.

Unweit der mittelalterlichen Burgen-Idylle sind die düsteren Festungen der Neuzeit zu besichtigen. Über 465 Kilometer ziehen sich jene mehr als 100 Bunkeranlagen, mit denen Frankreichs Kriegsminister André Maginot nach dem Ersten Weltkrieg ein unüberwindbares Bollwerk gegen die Deutschen schaffen wollte, geschützt von Millionen Tonnen Beton und einem Massen-Aufgebot verbunkerter Kanonen.

Bis zum Waffenstillstand 1945 blieben die meisten Forts zwar unbesiegt – waren aber militärisch nutzlos. Die Deutschen hatten sie 1940 einfach umgangen. Heute immerhin kommt ein kleiner Teil der verpulverten Milliarden in Form von Eintrittsgeldern wieder in die Staatskasse.

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