Erdbeben
Hintergrund: Gefahrenregion Südpazifik

Nach Angaben des Potsdamer Physikers Jörn Lauterjung leben die Menschen im Südpazifik in einer seit langem besonders erdbebengefährdeten Region.

HB POTSDAM. „Über die letzten Jahrzehnte betrachtet ist die seismische Aktivität dort sehr hoch“, sagte der Experte vom Geo-Forschungs-Zentrum am Montag der dpa. „Das jüngste Beben zählt jedoch zu den deutlich stärkeren.“ Es sei vergleichbar mit Beben vor den Kurilen-Inseln Ende vergangenen Jahres und vor Sumatra an Ostern 2005. Erdstöße der Stärke 8,0 hatten am Montag in der Nähe der Salomonen-Inseln einen Tsunami mit zehn Meter hohen Wellen ausgelöst. Mindestens zwölf Menschen kamen ums Leben.

Da sich die Spannung zwischen den Kontinentalplatten nun entladen habe, seien in den nächsten Tagen ähnlich heftige Erschütterungen unwahrscheinlich, sagte Lauterjung. „Ein solches Beben haben sie vielleicht alle paar Jahre einmal.“ Ursache sei die Verschiebung der Pazifischen Platte gegen die umliegenden Kontinentalplatten. „Wenn es einmal so einen großen Krach gegeben hat, ist in der Regel aber erst Mal Ruhe.“

Nach dem Erdstoß am Montag hatte das Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii eine Warnung für weite Teile des Südpazifiks ausgegeben. Das in den 60er Jahren errichtete System sammele Daten an Pegeln in Küstennähe und von Bojen aus, erklärte Lauterjung. Ein ähnliches System errichtet das Geo-Forschungs-Zentrum derzeit im Indischen Ozean. „Es macht prinzipiell nichts anderes“, sagte Lauterjung, nutze aber zusätzliche Messmethoden wie das Satellitennavigationssystem GPS, um Verschiebungen und Meereshöhen zu messen. Das bestehende System im Südpazifik sei für die Region jedoch ausreichend.

Die vom jüngsten Erdbeben besonders betroffenen Salomonen bestehen aus 992 Inseln im Südpazifik, nordöstlich von Australien. Viele der 552 000 Einwohner leben in Armut. Das Archipel liegt am so genannten pazifischen Feuerring, einem Vulkangürtel, wo sich häufig Erdbeben ereignen. Das ehemalige britische Protektorat, dessen Staatsoberhaupt Königin Elizabeth II. ist, wurde 1978 unabhängig. Nach ethnischen Konflikten bat die Regierung 2003 die pazifischen Nachbarstaaten um Unterstützung, woraufhin unter Führung Australiens die gut 2 000 Mann starke multinationale Interventionstruppe „Regional Assistance Mission to Solomon Islands“ (RAMSI) entsandt wurde. Größte Ortschaft der Salomonen ist die Hauptstadt Honiara auf Guadalcana mit gut 70 000 Einwohnern.

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