Ermittlungen
Warum stürzte Flug AF 447 ins Meer?

Der Absturz des Air-France-Airbus über dem Atlantik beschäftigt jetzt auch die Pariser Staatsanwaltschaft. Die Anklagebehörde ermittelt, ob jemand für den Verlust des Flugzeuges mit 228 Insassen verantwortlich ist. Die Staatsanwaltschaft zog das Verfahren am Mittwoch an sich, weil mehrere Pariser unter den Opfern sind.

HB PARIS/SÃO PAULO. Der französische Verkehrsminister Jean-Louis Borloo hatte zuvor erklärt, zwar gebe es für einen Terroranschlag keine Anzeichen, er sei aber nicht völlig ausgeschlossen. Auch bei früheren Anschlägen wie auf die Pan-Am-Maschine über dem schottischen Lockerbie 1988 hatte es kein Bekennerschreiben gegeben.

Der frühere Flugkapitän Jean Serrat hält einen Anschlag durchaus für möglich. „Die Behörden wollen nicht von Attentat sprechen, was ich durchaus verstehe“, sagte er im Rundfunk. „Doch wenn ein Flugzeug einfach so auf einen Schlag mitten im Atlantik verschwindet...“ – entweder sei der Tank explodiert, oder absolut unvorstellbare Turbulenzen hätten das Flugzeug abstürzen lassen. „Oder es war vielleicht eine Bombe an Bord. Alles ist möglich.“

Die brasilianische Luftwaffe hat unterdessen weitere Wrackteile des abgestürzten Air-France-Flugzeuges mit der Flugnummer AF 447 entdeckt. Unter den rund zehn Objekten befinde sich auch ein Teil mit einem Durchmesser von etwa sieben Metern, sagte Luftwaffensprecher Jorge Amaral. Zudem habe man auf einer Strecke von 20 Kilometern Öl- und Kerosinspuren festgestellt. Der brasilianische Verteidigungsminister Nelson Jobim hat bekräftigt, es gebe keinen Zweifel, dass die Wrackteile zum Airbus der Air France gehörten.

Bergungsmannschaften der brasilianischen und französischen Marine steuerten am Mittwoch die Absturzstelle der Air-France-Maschine im Südatlantik an. Vier Schiffe mit Tauchern an Bord sowie ein Tanker nahmen Kurs auf das Seegebiet rund 1 200 Kilometer nordöstlich der Küste Brasiliens. Das Patrouillenboot „Grajaú“ sei bereits vor Ort, sagte Konteradmiral Sávio Nogueira. Nun gehe es darum, die von der Luftwaffe georteten Wrackteile im dem großen Seegebiet zu finden.

Als schwierigste Aufgabe gilt die Suche nach dem Flugdatenschreiber und dem Stimmenrekorder. Die Geräte könnten Aufschluss darüber geben, warum der Airbus mit 228 Menschen an Bord in den Ozean stürzte. Französischen Angaben zufolge, vermuten die Experten die Geräte in einer Tiefe von 2 000 bis 5 000 Metern. Zwar kann eine Black Box auch dem Wasserdruck in 6 000 Metern Tiefe standhalten und über ein Signal geortet werden. Nach Auskunft der französischen Regierung sei aber noch nie ein Flugschreiber aus einer solchen Tiefe geborgen worden. Die dortigen Meeresströmungen seien sehr stark. Um die Suche nach den Geräten zu unterstützen, bereitet Frankreich die Entsendung eines Schiffs mit einem unbemannten Spezial-U-Boot vor, das bis zu 6 000 Meter tief tauchen kann. Es dürfte Anfang kommender Woche an der Absturzstelle eintreffen. Der Chef der französischen Flugunfalluntersuchungsbehörde, Paul Louis Arslanian, schloss nicht aus, dass die Ursache des Absturzes niemals geklärt werden könnte.

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