Erster Nahverkehrsstreik seit 25 Jahren
New York steht kurz vor dem Kollaps

Der erste Streik bei Bussen und Bahnen in New York seit 25 Jahren hat am Dienstag ein Verkehrschaos in der Millionenmetropole ausgelöst. Millionen Pendler waren gezwungen, sich einen anderen Weg zur Arbeit zu suchen. Sie schlossen sich zu Fahrgemeinschaften zusammen, fuhren mit dem Rad oder stapften zu hunderten durch die Kälte über die Brooklyn-Bridge. Wie lange der Streik dauern wird, war zunächst nicht abzusehen.

HB NEW YORK.Fast könnte man meinen, Amerika hätte den Kampf gegen die Klimaerwärmung aufgenommen, und dann gleich mit der ihm eigenen Entschiedenheit. An den großen Zufahrtsstraßen nach Manhattan kontrolliert die Polizei, ob in jedem Wagen auch mindestens vier Leute sitzen. Wer keine solche Fahrgemeinschaft gebildet hat, muss umdrehen. Allerdings geht es dabei nicht um die Verbesserung der Luftqualität, die Polizisten wollen dafür sorgen, dass New York nicht den totalen Verkehrskollaps erleidet. Zum ersten Mal seit 25 Jahren streikt der öffentliche Nahverkehr.

Die New Yorker U-Bahn, das größte unterirdische Schienennetz der Welt, „die Andere Stadt“, wie sie genannt wird, steht still. Auch oben wirkt die Metropole vielerorts wie ausgestorben. Geschäfte, Restaurants und Cafés sind leer. Vor der UNO warten ausnahmsweise keine Touristen auf eine Führung.

Sieben Millionen Menschen fahren täglich mit Bus und Bahn. Sie alle müssen sich nun etwas anderes einfallen lassen - oder zu Hause bleiben. Manche packen die Rollschuhe aus, andere nehmen Wassertaxis. Dazu tönt aus Tausenden von Lautsprechern unablässig „Jingle Bells“ und „White Christmas“.

„Man sollte sie alle ins Gefängnis stecken“, sagte ein 53-jähriger Mann voller Wut mit Blick auf die Streikenden. Er stand vor der Station Times Square, die mit rotem Klebeband abgeriegelt war. „Sie hätten einfach ihre Arbeit machen sollen. Das hier macht nur alle Leute unglücklich.“

Pat Murphy aus dem Wohnbezirk Staten Island hat drei Stunden gebraucht bis zum Büro: „Meine Kaffeepause fällt heute wohl aus“, sagt sie. „Aber zumindest ist das gutes Training.“ Andere sehen es nicht so locker.

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