Fahrplanwechsel
Bahn wird am Sonntag wieder einmal teurer

Pendler und Fernreisende müssen ab Sonntag tiefer in die Tasche greifen, denn die Bahn erhöht für die meisten Strecken die Preise. Auch anderweitig bittet der Schienenriese stärker zur Kasse. Bahncards werden teurer, der Mitfahrerrabatt wird eingeschränkt. Freuen kann sich indes jeder unter 19.

HB BERLIN. Die Strecken-Preiserhöhungen hatte der bundeseigene Konzern schon im Sommer beschlossen - mit Verweis auf gestiegene Energiekosten. Im Nahverkehr müssen Fahrgäste außerhalb der Verkehrsverbünde im Schnitt 2,6 Prozent mehr zahlen. Von Bamberg nach Bayreuth sind es mit 13,40 Euro zum Beispiel zehn Cent mehr, von Lüneburg nach Magdeburg (künftig 34,60 Euro) 50 Cent.

Im Fernverkehr gehen die Preise im Schnitt um 2,9 Prozent hoch. Dies wirkt sich aber je nach Entfernung unterschiedlich aus. Wird die kurze Reise Bochum-Düsseldorf mit 16 Euro künftig 60 Cent billiger, verteuert sich eine ICE-Fahrt von Frankfurt/Main nach Berlin um drei Euro auf 88 Euro.

Die Preiserhöhungen bei den Bahncards für Vielfahrer halten sich in Grenzen. Der "Klassiker" mit 50 Prozent Ermäßigung kostet statt 200 Euro dann 206 Euro, die Karte mit 25 Prozent Rabatt 51,30 Euro statt 50 Euro. Außerdem streicht die Bahn den Bahncard-Besitzern die Möglichkeit, bis zu vier Reisende für die Hälfte des Preises mitnehmen zu können. Der Mitfahrerrabatt gilt aber weiterhin bei den Frühbucherpreisen mit 25 und 50 Prozent Ermäßigung, für die sich Kunden auf einen Zug festlegen müssen.

Lob ernten die Planer dagegen für eine neue Jugend-Bahncard. Für einmalig zehn Euro bietet sie bis zum 19. Geburtstag 25 Prozent Ermäßigung - das soll junge Leute schon vor dem ersten eigenen Auto als Kunden der Zukunft umwerben. In den Verkauf gehen am Sonntag daneben Angebote zur Fußball-WM 2006 wie ein "Weltmeistertickets" ab 54 Euro für Fans mit Eintrittskarte in die Stadien. Von dem Großereignis im eigenen Land erhofft sich die Bahn im nächsten Jahr bis zu fünf Millionen zusätzliche Fahrgäste.

Fahrgastvertreter halten die Preiserhöhungen für ein falsches Signal. Heidi Tischmann, Bahnexpertin beim Verkehrsclub Deutschland (VCD) etwa sagt, zwar seien die Kosten für Strom und Diesel gestiegen. Die Regionalzüge machten aber höhere Gewinne, und der Fernverkehr sei wirtschaftlich wieder auf Kurs. Um Kunden bei der Stange zu halten, sollten zumindest 2006 die Preise stabil bleiben.

Bereits jetzt bleiben in den Zügen aber zusehends weniger Plätze leer - auch dank Sonderaktionen mit Billigtickets wie beim Discounter Lidl. Mit Tempo 230 haben auch die ICE auf der neuen Trasse Hamburg-Berlin die Nachfrage seit dem Start vor einem Jahr um rund 60 Prozent steigen lassen. Konzernchef Hartmut Mehdorn macht der Fernverkehr finanziell wieder Freude, nachdem die Sparte angesichts harter Konkurrenz der Billigflieger zuletzt in den tiefroten Zahlen steckte. Bis Ende September lockten ICE und Intercity 700 000 Reisende mehr an als ein Jahr zuvor. Das einstige Sorgenkind werde wohl noch 2005 die Gewinnschwelle erreichen, versprach Mehdorn jetzt dem Aufsichtsrat.

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