Fahrplanwechsel
Schnellere Bahn, teurere Bahn

Mit dem bevorstehenden Fahrplanwechsel der Bahn am Sonntag verkürzen sich die Reisezeiten auf zahlreichen Verbindungen, weil auf der Neubaustrecke München-Nürnberg noch schneller gefahren werden kann. Doch abseits der lukrativen Routen wird das Angebot weiter ausgedünnt - und die nächste Preiserhöhung kommt zum Jahreswechsel.

HB BERLIN. Nach dem Berliner Hauptbahnhof wird auch die Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen München und Nürnberg am 10. Dezember voll ins bundesweite Taktsystem eingebunden. Das soll das Reisen quer durch die Republik beschleunigen.

Die Erwartungen an die jüngste Paradestrecke in Bayern sind hoch. Nach dem Ausbau für 3,6 Milliarden Euro rauschen die ICE seit Ende Mai mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde über die neue Trasse - das ließ die Fahrtzeit von München nach Nürnberg bereits um 25 Minuten schrumpfen. Künftig soll es aber nochmals 15 Minuten schneller in gut einer Stunde gehen. Denn ab Sonntag gilt auf einem weiteren Abschnitt Tempo 200 statt wie bisher Tempo 160. Und die Auswirkungen reichen bis in den Norden: Von München nach Hannover schmilzt die Reisezeit um 25 Minuten auf 4:12 Stunden. Nach Frankfurt/Main geht es im neuen Fahrplan mit 3:10 Stunden künftig 30 Minuten schneller.

Dass ihre weiß glänzenden ICE auf den Rennstrecken zwischen den Metropolen gegen die Konkurrenz von Auto und Billigfliegern punkten können, hat die Bahn schon erkannt. Von Hamburg nach Berlin und retour sitzen zum Beispiel täglich 3 000 Menschen mehr in Fernzügen, seit die Trasse vor zwei Jahren für 230 Stundenkilometer ausgebaut wurde.

In Berlin rechnen die Planer nach dem Start des Hauptbahnhofs und eines neuen Innenstadttunnels in Richtung Leipzig bis 2010 mit einem Sprung von 13 Millionen auf 19 Millionen Fernreisende im Jahr, die ein- um- oder aussteigen. „Im Markt ist Platz für uns“, sagt der Chef der Bahn-Fernverkehrssparte, Nikolaus Breuel. Um noch mehr Kunden anzuziehen, lässt die Bahn ihre stündlichen ICES von Hamburg nach Berlin künftig über Leipzig nach München weiter rollen. Bisher fährt nur jeder zweite Schnellzug auf der Hauptstadt weiter an die Isar.

Die Beschleunigung auf den Hauptstrecken sei attraktiv, heißt es auch bei Fahrgastvertretern. „Jeder kommt gern schnell ans Ziel, nicht nur Geschäftsreisende“, sagt der Vorsitzende des Verbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann. Doch abseits der Schnelltrassen werde das Fernzug-Angebot vielfach weiter ausgedünnt. Und wo statt IC-Zügen nur Regionalbahnen fahren, gebe es keine Speisewagen und Möglichkeiten zur Sitzplatzreservierung. Ein Beispiel: Auf der Mitte-Deutschland-Verbindung von Düsseldorf über das Ruhrgebiet und Kassel nach Weimar wird fast die Hälfte der Züge gestrichen, weil sich das Angebot für die Bahn angeblich nicht rechnet.

Zumindest beim Tempo ebenbürtig sollen da die ersten Regionalzüge mit der neuen Rekordgeschwindigkeit von 200 Stundenkilometern sein - bisher waren maximal 160 zulässig. Die umgebauten Intercity-Wagen fahren ab Sonntag ebenfalls auf der Trasse München-Nürnberg, und zwar eine halbe Stunde langsamer als die ICE.

Wirtschaftlich ist der Fernverkehr inzwischen wieder zu einem Zugpferd des bundeseigenen Konzerns geworden. Bis Ende Oktober stieg die Zahl der Fahrgäste um drei Prozent auf 94,8 Millionen. Die Auslastung blieb mit 43,9 Prozent stabil, obwohl das Platzangebot vergrößert wurde. Im neuen Jahr sollen auch ohne den Schub einer Fußball-WM die Sitze gut gefüllt werden. Das Bonusprogramm für Stammkunden mit Prämien vom Genussgutschein bis zur Pauschalreise wurde gerade erweitert. Und um ganz neue Kunden anzusprechen, locken von diesem Freitag an 29-Euro-Billigtickets beim Kaffeeröster Tchibo.

Bei den regulären Preisen müssen die Fahrgäste allerdings zum Jahreswechsel wieder tiefer in die Tasche greifen. Fahrkarten im Regionalverkehr außerhalb von Verkehrsverbünden werden um 3,9 Prozent teurer. Tickets für ICE, Intercity und Eurocity kosten künftig im Schnitt 5,6 Prozent mehr, wobei die Mehrwertsteueranhebung von 16 auf 19 Prozent enthalten ist. Der Verkehrsclub Deutschland warnte schon, neu gewonnene Kunden wieder an das Auto zu verlieren. „Wer pendeln muss, wird weiter den Zug nehmen“, meint Pro-Bahn-Chef Naumann. „Aber vielleicht nicht mehr bei der nächsten Urlaubsreise.“

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