Bauer machte Sekt mit Studenten
Früchte eines Sekt-Seminars

Bei manuell arbeitenden Sektmachern schäumt das Geschäft über. Den Anstoß gab ein Braufachmann.

Professor Hermann Bauer in Rüdesheim gönnt sich keine Ruhe. Immer wieder zieht es den 67-Jährigen zu seiner früheren Wirkungsstätte in der Wein-Fachhochschule Geisenheim. Im Keller fertigt er Sekt. Soeben hat er wieder eine kleine Partie gerüttelt und degorgiert, also von der Hefe befreit. Der 67-Jährige ist von Haus aus Braufachmann. 1979 ging er von Weihenstephan nach Geisenheim, um Getränke-Technologie zu lehren. Inklusive der Herstellung von Schaumwein. Und weil Bauer öde Theorie hasst, richtete er eine Anlage ein, an der er mit Studenten Sekt machte.

In den achtziger Jahren bildete Bauer eine ganze Generation von Sektmachern heran. Während die Riesen der Sekt-Branche hier zu Lande seit 1999 fast ein Viertel ihres Absatzes einbüßten, geht es diesen Schaumwein-Handwerkern gut.

Volker Raumland entwickelte als Student mit Professor Bauer eine fahrbare Sektkellerei. Er empfahl sich Winzern, die ihr Programm mit perlenden Köstlichkeiten abrunden wollten. Die rüttelten die Flaschen selbst von Hand. Dann kam Raumland mit seiner auf einem Sattelschlepper montierten Anlage, um den Sekt zu degorgieren und dosieren, zu verkorken und etikettieren.

Die Geschäfte des Pfälzers liefen so gut, dass er sich eine Villa in Rheinhessen ersteigerte, die damals "eigentlich viel zu groß für mich war". Heute fertigt der 47-Jährige dort rund 500 000 Flaschen im Jahr und gehört schon zu den mittelgroßen Herstellern in Deutschland. Ein Fünftel der Produktion stammt von eigenen, streng ökologisch beackerten Rebgärten.

Wolfgang von Canal versuchte einen ähnlichen Weg. Da sein älterer Bruder Andreas das feine väterliche Weingut Freiherr von Heddesdorff in Winningen an der Mosel übernehmen sollte, dachte der Jüngere über Arbeit im Umweltschutz nach - und machte den Bauerschen Sektlehrgang mit. Wieder in Winningen ließ er sich nach Raumlands Vorbild eine mobile Anlage bauen. Doch damit hatte er in den engen Moseldörfern seine Schwierigkeiten. "Es war ein fürchterliches Rangieren", erinnert sich von Canal.

Damals bestand der Gesetzgeber noch darauf, dass während der Herstellung keine Flasche den Keller verlassen durfte. Der Fiskus wollte die Kontrolle über die Sektsteuer behalten. Inzwischen ist es erlaubt, dass die letzten Arbeitsgänge bei der klassischen Flaschengärung außerhalb des Gutes vonstatten gehen dürfen. Also bringen die Winzer ihre halb fertigen Sekte in die von Canal?sche Kellerei. Längst besitzt der 43-Jährige auch eigene Weinberge - sogar in der Spitzenlage Uhlen.

Der Jüngste unter Professor Bauers Studenten war Herbert Reinecker aus dem südbadischen Auggen. Die Eltern lieferten ihre Trauben bei der Winzergenossenschaft ab. Als der Sohn in die Heimat zurückkehrte und seine Sekt-Werkstatt einrichtete, übernahm er einen Teil der väterlichen Rebgärten und kündigte dem Winzerverein. Auch der 42-jährige Reinecker "kann nicht klagen: Während bei Konsumsekt der Absatz zurückgeht, sind die klassischen Schaumweine, obwohl drei- bis viermal so teuer, gefragt."

Beim Getränkekonzern Racke in Bingen zogen die Chefs daraus die richtigen Schlüsse: Für ihre Kupferberg-Kellerei lassen sie bei Volker Raumland eine hochfeine Cuvée fertigen. Sie ist das kostbarste Produkt bei Racke - und läuft.

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