Falkensteins QWeinprobe
Alemannen unter sich

Womit lässt sich besser zu Weihnachten und Silvester anstoßen? Mit badischem Sekt oder mit Crémant d?Alsace? Die Jury des siebten Weinduells des "Weekend Journal" hat nach längerem Hin- und Herkosten hierauf eine Antwort.
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Zwei Jahre wurde geplant und verhandelt. "Es gab viele Treffen, gemeinsame Workshops und vertrauensbildende Maßnahmen", wie ein Protokoll hintergründig vermerkt. Nun ist es so weit. Vom Neujahrstag an werden die Badische Weinstraße und die Route des Vins d'Alsace zu einer grenzübergreifenden Rundstrecke des Genießens und Schauens, des Erholens und Erlebens zusammengeführt.

Eine Broschüre weist auf landschaftliche Reize, auf gute Gast- und Winzerhöfe beiderseits des Oberrheins hin. Es wird viele gemeinsame Ereignisse bacchantisch-lukullischer und auch kultureller Art geben, alemannisches Wohlgefühl also rundherum.

"Am Anfang waren die Gespräche schwierig", erinnert sich Peter Wohlfahrth, der Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes. "Es war ja das erste Mal, dass die beiden Seiten überhaupt miteinander redeten." Besonders auf linksrheinischer Seite gab es Vorbehalte zu überwinden. Noch sind die unseligen Zeiten nicht vergessen, als die Elsässer wieder einmal deutsch sein mussten.

Nun ist es geschafft - ein Grund, darauf Silvester anzustoßen. Doch womit die Gläser füllen? Mit badischem Sekt oder mit Crémant d?Alsace? Das sollte beim siebten Weinduell im "Weekend Journal" ergründet werden.

Die beiden Weinbauverbände spielten freundlich mit. Es gab in Freiburg und in Colmar große Proben, bei denen der Autor die jeweils sechs besten Füllungen aussuchte. Es fügte sich gut, dass bei der Auswahl Weingüter, Kellereien und Winzergenossenschaften auf beiden Seiten gleichermaßen vertreten waren.

Das Finale wurde dann in Köln im Restaurant Fischers ausgetragen. Es testeten Hausherrin Christina Fischer und der Autor, dazu die französische Sommelière Christine Balais und der Holländer Tony van der Broeke, Weinhändler in Essen. Van der Broeke versorgt die hiesige Spitzengastronomie mit Bordeaux und Burgund. Verkostet wurde selbstverständlich blind. Niemand wusste, was sich in den Gläsern befand.

Baden gewann den Wettbewerb gegen die Elsässer mit 14,7 zu 13,9 Punkten (von 20 möglichen). Zum Erfolg der rechtsrheinischen Auswahl trugen vor allem die Weingüter Blankenhorn und Bercher bei. Deren Sekte erzielten Wertungen, wie sie Weintester sonst nur sehr gutem Champagner zugestehen.

Nach längerem Hin- und Herkosten wurde klar, dass beide Seiten leicht unterschiedliche Stile pflegen. Die Badener mögen ihren Brut ein wenig weicher und reifer, Crémant d?Alsace hingegen schmeckt zumeist etwas herber. Die Elsässer geben im Schnitt um ein bis zwei Gramm weniger süße Dosage bei, und sie frischen die Cuvées häufig mit herzhaftem Riesling auf, wohingegen badischer Sekt in der Regel nur Burgundersorten enthält.

Obwohl er unterlag, ist der Crémant d?Alsace ungemein erfolgreich. Die Produktion stieg im vorigen Jahr gegenüber 2006 um 28 Prozent. Inzwischen wird ein Fünftel der Weinernte im Storchenland zu Crémant verarbeitet. Die betont trockene Art gefällt den Franzosen, aber auch besonders den Belgiern und den Deutschen. Der Export über den Rhein hinweg steigt stetig.

Das sollte den Elsässer Winzern zu denken geben, die ihren Wein anders als den Crémant immer wuchtiger und lieblicher machen. Diesen fetten Stil mögen die Deutschen nur noch bedingt. Im Gegensatz zum Crémant hat der Vin d?Alsace in Deutschland einen höllischen Absturz erlebt. Die Verkäufe sind in den vergangenen 20 Jahren um neun Zehntel zurückgegangen.

Die Top 6 aus Baden

1. 2006er Crémant Brut (16,5 Punkte)
Weingut Blankenhorn, Schliengen
Tel. 076 35/820 00
10,90 Euro

2. 2001er Chardonnay Brut (16,2 Punkte)
Weingut Bercher, Burkheim
Tel. 076 62/212
11,80 Euro

3. 2006er Chardonnay Brut (15,0 Punkte)
Kellerei Reinecker, Auggen
Tel. 076 31/34 41
11 Euro

4. 2004er Pinot Brut (13,8 Punkte)
Bernhard Huber, Malterdingen
Tel. 076 44/12 00
16 Euro

5. 2006er Crémant Brut (13,4 Punkte)
Winzergenossenschaft Britzingen
Tel. 076 31/177 10
9,60 Euro

6. 2001er Traditions-Cuvée Brut (13,2 Punkte)
Winzergenossenschaft Schliengen
Tel. 076 35/811 20
18,90 Euro

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