Falkensteins Weinmacher
Das Ziel sind die Top Ten

Lange stand es nicht gut um das Rheingauer Weingut der Landgrafen von Hessen. Doch seit einigen Jahren baut Donatus Prinz von Hessen die familiäre Winzerei um - und investiert kräftig in die Qualität. Nun peilt der Adelige den Aufstieg in die Spitzenklasse der deutschen Weine an.
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KÖLN. Seine Königliche Hoheit Donatus Prinz von Hessen sieht keineswegs so aus, als ob er auf den hochadeligen Titel unbedingt Wert legte. Locker und leger erscheint er zum Gespräch. Bei einem länger zurückliegenden Treffen hatte er noch einen scheuen, ja fast unzugänglichen Eindruck hinterlassen. Doch jetzt ist sein Händedruck deutlich spürbar. Die Auskünfte über sich selbst sind so offen wie der Blick aus seinen stahlblauen Augen.

Während der Weinlese schaut der 42-Jährige regelmäßig in seinem Weingut in Johannisberg nach dem Rechten. Es jucke ihn in den Fingern, selbst zur Rebschere zu greifen, erzählt er. Doch dafür ist keine Zeit. Seine Aufgaben als Geschäftsführer der Hessischen Hausstiftung fordern ihn gänzlich.

Dies ist eine Holding, in der die Besitzungen der Landgrafen von Hessen zusammengefasst sind. Sie entstand nach dem ersten Weltkrieg mit der Maßgabe, das Kulturerbe der Familie „im Interesse der Allgemeinheit“ zu erhalten. So wurde die in der Weimarer Republik drohende Enteignung umgangen. Zur Stiftung gehören das Gut Panker in Schleswig-Holstein mit Landwirtschaft, Forstbetrieb und Trakehnergestüt, weiter die Nobelherbergen Hessischer Hof in Frankfurt und Schlosshotel Kronberg, schließlich auch das Rheingauer Weingut.

Um diese feine Winzerei stand es lange überhaupt nicht gut. Die Führung wechselte häufig. Und: „Was die Qualität der Weine anging, gab es ziemlich erratische Ausschläge“, erinnert sich der Prinz. Das Gut, das 1957 gegründet worden war, sollte schon aufgegeben werden. Doch er setzte sich in seiner Familie durch, der Betrieb wurde erhalten.

In den vergangenen fünf Jahren floss viel Geld in das alte Anwesen, vor allem in den Keller. Neben blinkendem Edelstahl finden sich dort auch klassische Holzgebinde. Es tut dem Riesling gut, im großen Fass zu atmen. 24 Hektar Weinberge kamen hinzu, die meisten in ersten Lagen. Der beste Neuzugang war Clemens Kiefer. Der 36-Jährige, ein smarter. hochgewachsener Mann, brachte als Betriebswirt und gelernter Winzer die idealen Voraussetzungen mit, das Gut zu leiten. Er stammt aus dem Nachbarort Geisenheim, kann also mit seinen Leuten Hessisch reden.

Kiefer musste die Belegschaft halbieren, um rentabel arbeiten zu können. Das verursachte zeitweise Unruhen. Jetzt führt er eine schlagkräftige, gut auf einander eingespielte Mannschaft an. Die meisten Mitarbeiter sind unter 30 Jahre alt. Prinz Donatus ließ dem Geschäftsführer von Anfang an freie Hand, zum Vorteil für beide Seiten. Wichtige Entscheidungen beraten sie gemeinsam. Sie siezen sich, reden sich dabei mit Vornamen an. „Wir wollen wieder unter den zehn besten Gütern im Rheingau sein“, ist das Ziel von Prinz Donatus. Und wie selbstverständlich fügt er hinzu: „Auf lange Sicht unter den Top Ten in Deutschland.“

Der Riesling des Hauses Hessen ist grundsätzlich auf Langlebigkeit angelegt, braucht also viel Luft, bis er seinen ganzen Reichtum an Aromen zeigt. Es gibt noch einen größeren Restbestand vom 2007er aus der guten Lage Johannisberger Klaus – benannt nach der St. Georgsklause, einem ehemals klösterlichen Besitz. Auch dieser zwei Jahre alte Wein ist noch arg jung. Wie hier üblich, wurde der Inhalt der einmal geöffneten Flasche mehrfach verkostet. Erst am dritten Tag begann der schlanke, fast metallisch anmutende Tropfen, sich zu öffnen.

Da steigen Düfte auf von Weißbrot, Sellerieblättern, schwarzem Pfeffer, Kümmel und Anis. Der Fruchtgeschmack spielt zwischen Boskop und weißem Pfirsich begleitet von einer leicht salzigen Note. Alles kommt zart, verhalten, wie hingetupft. Ein durch und durch aristokratischer Stoff, der in den nächsten zwei, drei Jahren sicher noch mehr Freude machen wird. Nur, dann ist er längst ausverkauft.

Johannisberger Klaus

Jahrgang

: 2007
Rebsorte: Riesling
Anbaugebiet: Rheingau
Analyse: 12,4 g Alkohol, 7,7 g Säure, 7,0 g Restzucker (pro Liter)
Trinken: bis 2011
Preis: ab 9,90 Euro
Adresse: Weingut Prinz von Hessen
Grund 1 in 65336 Johannisberg
Tel: 0 67 22 / 409 180
Fax: 0 67 22 / 4091820
Mail: weingut@prinz-von-hessen.de
www.prinz-von-hessen.de

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