Falkensteins Weinmacher
Der unendliche Nachgeschmack

Bernard Jany und sein Schwiegersohn Bruno haben zusammen hart darum gekämpft, eigene Weine zu erzeugen. Resultat der liebevollen Eigenproduktion ist ein Landwein namens „Elixir“, dessen Nachgeschmack niemals enden will. Glücklicherweise.
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Es gibt kaum schöne Schlösser im Languedoc. Doch wer auf der A 75 von Béziers aus in Richtung Norden fährt, sieht nahe der Ortschaft Paulhan rechterhand ein besonders stattliches Château. Es heißt La Condamine Bertrand. Der klassizistische Bau ist mehr als 200 Jahre alt. Früher gab es dort festliche Empfänge.

Heute ist mächtige Anwesen ist ein hochrangiges Weingut. Bruno Andreu leitet es , der, wenn ihm die Arbeit und die drei Kinder noch Zeit lassen, pfiffige Gedichte schreibt. Der 39-Jährige hat in das Gut eingeheiratet. Schwiegervater Bernard Jany sagt, es sei einer der schönsten Tage in seinem Leben gewesen, als der junge Mann um die Hand seiner Tochter gebeten hatte. Der Senior, 68 Jahre alt, gibt unumwunden zu, dass er den Betrieb nicht richtig im Griff gehabt hatte.

Jany hatte sich schon als Junge um Reben und Keller gekümmert – da gehörte das Gut noch seiner Tante. Auf eigene Faust fuhr er nach Bordeaux, um dort seine Kenntnisse über Wein zu vertiefen. Doch als die alte Dame 1981 starb, fand sich kein Testament. Mehrere Parteien stritten sich um den Nachlass. Der Neffe bekam nur ein Teil des Besitzes zugesprochen. Die Reben durfte er aber gänzlich übernehmen. Für alles zahlte er sechs Millionen Francs Erbschaftssteuer.

Trotz Schulden machte er sich daran, das Gut umzubauen. Zuvor war der Wein, lieblos gekeltert, immer im Fass verkauft worden. Jany wollte gute eigene Gewächse auf Flaschen füllen. Im Languedoc war die Zeit eigentlich reif dafür. Doch er saß faulen Kunden auf, die nicht zahlten, und verlor viel Geld dabei. Er musste blutenden Herzens die Eigenproduktion aufgeben und den Wein wieder lose verkaufen, was ihm zwar geringe, aber sichere Einnahmen brachte.

Das ging mehr als zehn Jahre so. Dann trat Bruno Andreu auf, der sich in Janys älteste Tochter Emanuelle verliebt hatte. Der Fast-Schwiegersohn riet Jany, es doch wieder mit eigenen Gewächsen zu versuchen. Der Alte war selig.

Andreu, hochgewachsen, die gute Laune in Person, hat den Keller unter sich. Jany, klein und drahtig, eher scheu, betreut die 54 Hektar Reben, die sich rund um das Schloss ausbreiten. Vor allem Sorten aus Bordeaux und von der Rhône werden angebaut. Für die oberste Qualitätsklasse, die Appellation contrôlée, sind diese Trauben nicht zugelassen, weshalb hauptsächlich Landwein verkauft wird.

Doch was ist das für ein Landwein! An der Spitze der Erzeugung steht „Elixir“, ein grandioser Tropfen. Er stammt von Reben, die zum größten Teil 40 Jahre alt sind. Die Trauben werden noch nach alter Art mit den Füßen gestampft. Der Wein liegt über ein Jahr in Barriques, was aber kaum zu schmecken ist. Das Holz bringt Fülle und Reife, ist im Geschmack aber nur zu ahnen. Der Wein mundet satt nach dunklen Kirschen. Noten von Pfeffer, Minze und Bohnenkraut schwingen mit. Der Nachgeschmack auf der Zunge mag und mag nicht enden.

Pit Falkenstein ist Weinjournalist in Köln.
Elixir
Jahrgang 2006
Rebsorten Syrah, Grenache, Cabernet-Sauvignon
Anbaugebiet Languedoc
Analyse 14,4ll Alkohol, 4,6 g Säure, 2,8 g Restzucker (pro Liter)
Trinken bis 2013
Preis ab Lager 9,95 Euro
Adresse Zwölf Grad
Martin-Luther-Platz 1
50677 Köln
Tel.: 0221 / 381591
Fax: 0221 / 341986

Mail: info@zwoelfgrad.dewww.zwoelfgrad.de

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