Falkensteins Weinmacher
Die Markgrafen im Weinberg

Die Mazzeis gehören zu den bedeutenden Adelsgeschlechtern der Toskana. Ihr Stammbaum lässt sich bis zum Jahre 1435 zurückverfolgen. Sie produzieren einen dichten, glutvollen, duftenden Wein, der nach Kirschen und Heidelbeeren schmeckt.
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KÖLN. Marchese Francesco Mazzei, beim Weingut Castello di Fonterútoli fürs Marketing zuständig, muss übers Jahr rund eine Million Flaschen verkaufen. Er reist deshalb viel in der Welt herum, ständig auf Suche nach neuen Kunden. Ist sein hochadeliger Titel dabei hilfreich oder eher hinderlich?

"Eine gute Frage", schmunzelt er. Dann, nach einer Gedankenpause, sagt er: "In meiner Familie wird der Titel schon lange nicht mehr benutzt. Wir sind ganz normale Menschen. Das Adelsprädikat ist für uns nur in einer Hinsicht wichtig, nämlich, dass es uns verpflichtet, ein tadelloses Leben zu führen." Dabei hat der Titel schon einiges Gewicht. Die Mazzeis gehören zu den bedeutenden Adelsgeschlechtern der Toskana. Ihr Stammbaum lässt sich bis zum Jahre 1435 zurückverfolgen. Damals errichteten die Urahnen auf einem Hügel zwölf Kilometer nördlich von Siena ein wehrhaftes Schloss, das im Laufe der Jahrhunderte immer wieder umgebaut worden ist. In dem Herrschaftshaus ist bis heute das Weingut, umgeben von dem malerischen Flecken Fonterútoli mit eben mal 92 Einwohnern.

Auch wenn er sich nur noch selten im Betrieb blicken lässt, wird der 85-jährige Lapo Mazzei als Oberhaupt der Familie respektiert, ja verehrt. Der Senior war nie richtig Winzer. Er hatte wohl Landwirtschaft studiert, wurde aber Banker und leitete viele Jahre die Cassa di Risparmio in Florenz. Um sein Gut kümmerte sich ein tüchtiger Verwalter.

1974 kam eine wichtige Aufgabe hinzu. Lapo Mazzei wurde zum Präsidenten des Consorzio Vino Chianti Classico gewählt. Als er das Amt übernahm, steckte der toskanische Weinbau in tiefster Krise. Großkellereien überschwemmten Europa mit Massenware. Schlechter konnte der Ruf des Chianti nicht mehr sein. Unter Mazzeis Leitung entwickelte der Consorzio strenge Regeln für die Winzer. Ein Ursprungsgebiet wurde festgelegt. Nur Weine von dort durften den Zusatz "Classico" tragen.

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