Falkensteins Weinmacher
Doppelt schwarze Köstlichkeit aus Apulien

Der Negroamaro verliert an Boden. Vor zehn Jahren wurde die Sorte noch auf einer weitaus größeren Fläche angebaut. Die meisten Kellermeister in Apulien sagen, dass der Negroamaro mit anderen Sorten wie Malvasia nera oder Primitivo verschnitten werden müsse. Severino Garofano beweist das Gegenteil - und erzeugt einen großen Wein.
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KÖLN. Severino Garofano liebt den Negroamaro. Ihm tut es weh, mit ansehen zu müssen, wie diese bodenständige Sorte im Wortsinn an Boden verliert.

Sicher, sie wird in Apulien noch auf etwa 20 000 Hektar kultiviert. Aber vor zehn Jahren waren es um die Hälfte mehr. Weil die meisten Winzer in die Vollen gehen und sich die gewaltigen Ernten nie und nimmer verkaufen lassen, lockt der Staat mit Rodungsprämien. Besitzer großer Flächen stecken das Geld gerne ein und machen sich fortan ein schönes Leben.

Viel Negroamaro wird zu Mostkonzentrat verarbeitet. Der Sirup soll nicht ganz so üppig geratenen Weinen in Mitteleuropa aufhelfen. Und ständig sind Tanklastzüge mit dem tiefdunklen, hochalkoholischen Wein in die Toskana unterwegs, wo er in billigem Chianti (mit der Bezeichnung "controllata e garantita") untergemogelt wird. Das ist selbstverständlich verboten, aber in Italien sieht niemand so genau hin.

Der Negroamaro ist eine sogenannte autochthone Sorte. Sie wächst nur in Apulien und sonst nirgendwo. Griechische Kaufleute brachten sie vor zweieinhalb Jahrtausenden nach Süditalien. Der Name leitet sich vom römischen "negro" und dem hellenischen "mavro" ab. Beides bedeutet "schwarz", ist also eine hübsche Tautologie.

Severino Garofano, der mit seinen 74 Jahren noch kraftvoll auftritt, ist mit dieser für ihn "ungemein wertvollen Traube" aufgewachsen. Es stimme nicht, betont der altgediente Önologe, dass der Wein grundsätzlich mit Alkohol protzen müsse. Es komme bei der Lese wie bei der Vergärung auf den genauen Zeitpunkt an. "Oft sind wenige Stunden entscheidend", sagt er. Und natürlich müssen die Reben gepflegt und kräftig gestutzt werden.

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