Falkensteins Weinmacher
Eine Flasche Erinnerung

Es ist mehr als ein Wein. Der „Homenagem ao Thomas“ des Weingutes Plansel im portugiesischen Montemor-o-Novo ist auch eine Erinnerung an den 2008 gestorbenen Gatten der Chefin Dorina Lindemann. Jetzt ist der Wein im Verkauf.
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Während der Weinernte ist Dorina Lindemann überwiegend in den Reben anzutreffen. Sie rennt mehr, als sie geht. Ständig schaut sie den Erntehelfern auf die Finger. Sie kontrolliert, dass nur sauber ausgelesene Trauben in die Kelter kommen. "Das ist das A und O", sagt sie.

Die Chefin des Weingutes Plansel im portugiesischen Montemor-o-Novo ist mit ihren 44 Jahren beweglich und ausdauernd wie ein Mädchen. Das kommt daher, dass sie sich auch im schlimmsten Stress eine halbe Stunde Zeit nimmt, um zu tanzen. "Temporaria" nennt sich die Mischung aus klassischem Ballett und Jazz-Elementen. Das macht sie seit ihrer Jugend. "Damit halte ich mich über Wasser", lächelt sie.

Diese ungewöhnliche Form der Entspannung half ihr auch beim qualvollen Tod ihres Mannes. Die Lindemanns waren ein großartiges Paar. Er war wie sie Weinbauingenieur.

Die Geschichte des Weingutes Plansel begann vor dreißig Jahren. Dorina Lindemanns Vater Hans Jörg Böhm besaß drei Kellereien in Deutschland. Als das Geschäft immer rauer wurde, verkaufte er alles und erfüllte sich einen Traum. Er ging nach Portugal. Jorge Boehm, wie er sich von da an nannte, entdeckte dort rasch eine Marktlücke. Er sah überall im Land erbärmlich schlecht gepflegte Weingärten und beschloss, eine Rebzucht zu gründen. Er war der erste Ausländer, der nach der Nelken-Revolution investieren durfte.

Das Unternehmen begann zu blühen. Es lag nahe, ein Weingut anzugliedern. Die Idee dazu hatte Tochter Doris. Sie zog nach ihrem Studium am Rhein nach Portugal um und baute langsam, aber zielstrebig die neue Quinta auf. Nachdem sie geheiratet hatte, stieß ihr Mann Thomas Lindemann dazu. Er half vor allem dem Schwiegervater bei der Rebzucht.

Frohgemut, als hätte es nie schlimme Zeiten gegeben, berichtet die Winzerin von Rangeleien mit ihrem Gatten. Es ging um die rein-portugiesische Rebsorte Trincadera. Früher gab es sie nur im Tal des Duero. Hans Jörg Böhm setzte durch, dass er sie auch im Alentejo im Süden des Landes kultivieren durfte. Dorina Lindemann tat immer kund, dass sie von der Qualität dieser Traube wenig halte. Ihr Mann hingegen schätzte sie sehr.

Als er 2008 an Krebs starb, errichtete ihm die Witwe ein anrührendes Denkmal. Sie legte nach der Ernte einen Teil des Trincadera-Jungweins beiseite, pflegte ihn mit besonderer Sorgfalt und füllte ihn schließlich pur ab. Den wundervollen Trunk nannte sie "Homenagem ao Thomas", zum Gedächtnis an den Gatten. Jetzt, zwei Jahre später, kommt der Wein in den Verkauf. Er schmeckt wunderbar weich. Kirschfrucht und erdige Töne spielen miteinander. Ein Hauch Kardamom ist zu spüren. Eine geschmorte Lammkeule schmeckt bestens dazu.

Homenagem ao Thomas Jahrgang 2008

Rebsorte: Trincadera

Anbaugebiet: Portugal

Analyse: 14,1° Alkohol, 4,3 g Säure, 2,3 g Restzucker (pro Liter), trinken bis 2013

Preis ab Lager 7 Euro

Adresse:

Selezzione Vini, Bahnhofstraße 13, 85737 Ismaning, Tel.: 089 / 65115973, Fax: 089 / 65115974

Mail: info@selezzionevini.de

www.selezzionevini.de

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