Falkensteins Weinmacher
Erfolgreiche Vetternwirtschaft

Nach dem Tod von Namensgeber Richard Richter erlebte das Weingut Richter in Winningen an der Mosel so manches Tief. Die Urenkel des Gründers, Thomas und Claud-Martin Richter, haben das Weingut wieder nach oben geführt und ihm seinen stolzen Namen zurückgegeben. Eine klare Arbeitsteilung gibt es nicht: Jeder der beiden packt gleichermaßen mit an.
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KÖLN. Die Geschichte ist verbürgt, auch wenn sie hin und wieder mit arg romantischen Zutaten ausgeschmückt wird. Loretta Gräfin von Sponheim – zu jenem Zeitpunkt etwa 30 Jahre alt, verwitwet und eine völlig unerschrockene Dame – lag in Dauerfehde mit Balduin Kurfürst und Erzbischof von Trier. Militärisch war er ihr haushoch überlegen, und so wilderte er nach Belieben in ihren Ländereien. Als es ihr zu bunt geworden war, ließ sie Ende Mai 1328 sein Schiff, das ihn nach Koblenz bringen sollte, kapern. Durchlaucht wurde gefangen und auf der Starkenburg hoch über Traben-Trarbach für drei Monate eingekerkert. Loretta ließ sich auch davon nicht beeindrucken, dass der Papst mit Exkommunikation drohte.

Es hat wohl bald zwischen den beiden gemenschelt. Loretta schenkte ihm die Freiheit, nachdem er zugesichert hatte, die Sponheimer Grafschaft fürderhin in Ruhe zu lassen, ja im Fall von Angriffen Beistand zu leisten. Später, als Balduin plante, bei Koblenz eine Brücke über die Mosel zu schlagen, erlaubte sie ihm, sich eines nahen Basaltsteinbruchs oberhalb von Winningen zu bedienen. Der darunterliegende Weinberg heißt heute deshalb Brückstück.

Mit eben mal neun Hektar ist dies die kleinste Lage im Ort, zudem vielfach zerstückelt. Nur das alte Weingut Richard Richter besitzt dort größere Flächen. Auf der Webseite des Betriebes gibt es ein kurzes Video von dem Berg. Das Filmchen, aufgenommen von einer fliegenden Kamera mit Fernsteuerung, zeigt, wie steil dort die Terrassen himmelwärts ragen. Der mit Bims durchsetzte Schieferboden gibt den Weinen eine ganz eigene rauchige Note.

Namensgeber Richard Richter entstammt einer holländischen Sippe. Sein Vater war Kunsttischler am königlichen Hof in Den Haag. Wohl mehr zufällig lernte er ein Mädchen von der Mosel kennen und kam so nach Winningen. Der Sohn gründete dann das heutige Weingut und gliederte ein Kommissionsgeschäft an. Auszeichnungen gab es reichlich. Doch er starb schon mit 46 Jahren. In den folgenden Jahrzehnten erlebte die stolze Adresse jedoch manches Tief. Die jetzige Generation, Thomas und Claus-Martin Richter, Urenkel des Gründers, wirtschafteten das alte Gut wieder nach oben. Die Weine gehören erneut zu den besten der Untermosel. Einziger Unterschied: Sie sind längst nicht mehr so süß wie ehedem. Eine klare Arbeitsteilung gibt es nicht. Ob im Weinberg oder im Keller: „Hier packt jeder überall an, und wir schaffen es, dass wir uns nicht ständig auf den Füßen stehen“, erzählt Thomas Richter, gelernter Weinbautechniker und mit 42 Jahren der Jüngere. Er ist der Redegewandtere von den beiden. So liegt das Marketing eher in seinen Händen. Der 46-jährige Cousin Claus-Martin hat an der Weinbau-Hochschule studiert und ist kein Mann der großen Worte. Einen hübschen Scherz lässt er aber doch einfließen: „Wir betreiben hier eine erfolgreiche Vetternwirtschaft.“

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