Falkensteins Weinmacher
Fränkische Winzerin mit drei Berufen

Das Weingut Römmert in Volkach am Main wird in dritter Generation von einer Frau geführt: Dabei wurde Chefin Andrea Flammersberger erst auf Umwegen Winzerin. Die gelernte Erzieherin war jahrelang bei verschiedenen Werbeagenturen tätig, ehe sie dem Ruf ihrer Mutter folgte und eine ordentliche Lehre beim Vater absolvierte.
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KÖLN. Mit 41 Jahren lernt Andrea Flammersberger jetzt Motorrad fahren – und ist davon nicht abzubringen, auch wenn sie sich dabei bereits ein paar Schrammen geholt hat. So war sie aber schon als Kind, eigensinnig und immer für eine Überraschung gut.

Die handfeste Dame ist Chefin des Weingutes Römmert in Volkach am Main. Doch das wurde sie erst im dritten Anlauf. Der Betrieb wird seit drei Generationen von Frauen geleitet. Die Ehemänner kamen immer aus anderen Berufen und ließen sich ihren Gemahlinnen zuliebe auf die Arbeit in den Reben ein. Mutter Isolde leitete das Gut bis vor zehn Jahren. Vater Wolfgang hatte bei Eheschließung den Kfz-Mechaniker aufgegeben und wurde Winzermeister.

Andrea Flammersberger wollte als junges Mädchen nichts mit Weinbau zu tun haben. Das sollte, so entschied sie mit 17 Jahren, ihre jüngere Schwester Tanja machen. Die sei dafür viel besser geeignet. Sie selbst wurde Erzieherin und belegte dann Sozialpädagogik an der Hochschule im bayerischen Eichstätt. Sie empfand das Fach aber bald als dröge. Die anfängliche Freude schwand zunehmend.

Ein Zufall brachte sie zu ihrem zweiten Beruf. Wieder einmal daheim in Volkach, redete sie auf ihre Eltern ein, es wäre doch an der Zeit, ein flottes Werbeheftchen für das Weingut zu gestalten. Eine Agentur in Schweinfurt übernahm den Auftrag. Sie mischte sich beim Texten herzhaft ein, war begeistert von dem Metier, ließ die Pädagogik sausen und begann ein Studium als Kommunikations-Fachwirtin in Kassel, das sie erfolgreich abschloss. Acht Jahre arbeitete sie in München bei verschiedenen Werbeagenturen als Art-Director, entwarf Broschüren für Banken, gestaltete Bücher für den Verlag Bertelsmann. Sie verdiente 5 500 Mark im Monat. Nicht übel damals für eine junge Frau.

Mittlerweile hatte die Schwester Tanja Weinbautechnik studiert. Es war völlig klar, dass sie ihrer Mutter Isolde nachfolgen sollte. 1997 heiratete sie. Der Angetraute besaß selbst ein Weingut mit einem Hotel. Da kamen auf die Braut große Aufgaben zu. Es war ausgeschlossen, dass sie daneben auch noch den elterlichen Betrieb führen konnte.

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