Falkensteins Weinmacher
Kühle Anmut im Bocksbeutel

Sie ist Herrin über die einladend gestaltete Verkaufsstätte und betreut die Kunden des Weingutes, sein Reich ist der unterhalb der Geschäftsräume liegende Weinkeller. Das Ehepaar Monika und Rainer Müller hat eine klare Aufgabenteilung. Vielleicht ist dies das Erfolgsrezept ihes Weingutes mit dem altehrwürdigen Namen Max Müller I.
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KÖLN. Das Haus Hauptstraße 46 in Volkach am Main ist ein ausladender Barockbau. Der Würzburger Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg hatte es 1692 als Klosterhof errichten lassen. Heute ist dort das Weingut Max Müller I. Der Besucher geht durch ein mächtiges Tor in den efeubewachsenen Innenhof und erlebt eine architektonische Überraschung. Zur linken Hand kommt er in einen hochmodernen Raum, der Probierstube, Laden und Büro in einem ist. Die Gestaltung verströmt kühle Anmut. Und doch wirkt alles einladend und gemütlich. Dafür gab es voriges Jahr einen ersten Preis des Bundes Deutscher Architekten.

Die 125 000 Euro teure Verkaufsstätte ist das Reich von Monika Müller. Die 44-Jährige hat eine natürliche Begabung, mit Kunden umzugehen. Ihre helle Stimme verbreitet Fröhlichkeit. Der Besucher hat sogleich das Gefühl: Hier kann es nur guten Wein geben. Er täuscht sich nicht.

Dafür ist Rainer Müller zuständig. Sein Reich liegt unterhalb der Geschäftsräume in einem alten Gewölbekeller. Dort schimmern Stahltanks, blinken die Armaturen. Sauberkeit ist oberstes Gebot. Der 44-Jährige sagt: „Ich mag klare Eleganz in meinen Weinen, und möchte keine Nebentöne links und rechts.“ Mit solchen Worten kann sich ein Winzer schnell den Vorwurf einhandeln, er fertige stromlinienförmige Gewächse, die wohl beeindrucken, aber letztlich austauschbar sind. Das trifft auf Müllers Weine auf keinen Fall zu. Beim Silvaner, seiner liebsten Sorte, sind die verschiedenen Lagen rund um die Mainschleife durchaus herauszuschmecken. Bei der Ausbildung im Winzerkeller des Nachbarortes Sommerach lernte er seine Frau kennen, die im Rechnungswesen der Genossenschaft arbeitete. Sie waren sich schnell einig. Er studierte noch Weinbautechnik in der Fachhochschule in Veitshöchheim. Dann wurde geheiratet, und 1991 übernahm das Paar die Leitung des Volkacher Hofs.

Der Name des Weinguts rührt vom Großvater Max Müller I her (es gab noch einen zweiten Mann dieses Namens in Volkach). Der Alte hatte den Barockbau in einem ziemlich maroden Zustand übernommen. Als Küfer baute er noch Fässer und führte neben den Rebgärten eine kleine Landwirtschaft. Vater Michael stellte alles auf Weinbau um, erkrankte aber früh, weshalb der Sohn auf längere Auslandsreisen verzichten und gleich ins Geschirr musste. Die ersten Jahre waren hart. An dem 300 Jahre alten Anwesen gab es viel zu tun. Der Keller wurde modernisiert. Gleichzeitig kaufte Rainer Müller noch Weinberge hinzu. Und seine Monika tat das, was sie am besten kann: verkaufen. Ein Drittel der jährlich 160 000 Flaschen geht an Gastronomie und Fachhandel. Den großen Rest kaufen Privatkunden. „Und seit wir hier unseren neuen Verkaufsraum haben, sehen wir ständig neue Gesichter.“ Doch egal, wie viel Arbeit ansteht, das gemeinsame morgendliche Joggen ist heilig. „Da kommen einem die besten Ideen“, lacht Rainer Müller. Heute ist schon mal eher Zeit für Urlaub, der aber auch nicht völlig entspannt verläuft. Die Reisen dienen nebenbei der Kundenpflege. Wenigstens ein Restaurant, das Max-Müller-Weine auf die Karte nimmt, soll erobert werden.

Vom gleichen schnörkellosen Stil wie der ganze Auftritt des Gutes zeigt sich der Silvaner Kabinett trocken vom Volkacher Ratsherr. Es ist nicht der althergebrachte fränkisch-erdige Geschmack. Der leichte Wein beglückt mit kühler, zarter Frucht von Mirabellen, umströmt von Düften und Aromen, die an eine frisch gemähte Sommerwiese erinnern. Statt der üblichen Bratwurst passt eine Forelle blau viel besser dazu.

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