Falkensteins Weinmacher
Traubenknospen-Wein lässt Herz höher schlagen

Rhône-Winzer und Rugby-Spieler Adrien Fabre betreibt gleich zwei Domänen gleichzeitig - und erzeugt ganz eigene Tropfen, die mit feinen Unterschieden aufwarten.
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Ein Kerl wie der 30-jährige Adrien Fabre, der mit athletischer Figur und umwerfendem Lächeln alle Blicke auf sich zieht, begnügt sich nicht mit einer Aufgabe. Er leitet zwei Domänen im besten Teil der Côtes-du-Rhône. Die Güter l’Echevin in Saint-Maurice-sur-Eygues und La Florane in Visan liegen nur drei Kilometer voneinander entfernt und doch bestehen feine Unterschiede, die der Chef geschickt herausarbeitet.

Ersterer Betrieb ist altes Familienerbe. Dort wird hauptsächlich die Sorte Syrah angebaut. Die Reben stehen bis in eine Höhe von 300 Metern und reifen dank mitunter ziemlich kühlen Winden länger. Die Weine sind sehr fruchtbetont, dabei etwas strenger. In Visan hingegen überwiegt die weichere Grenache-Traube. Sie wächst an einem Südhang, Coste chaude genannt, der also im Sommer mächtig aufgeheizt wird. Der Rotwein von dort kommt entsprechend opulent daher, der rechte Trunk also bei diesem immer noch kalten Wetter.

In der Domaine l’Echevin ist Vater François Fabre aufgewachsen, der mit 62 Jahren immer noch in die Hände zu spucken versteht. 1982 bot sich die Gelegenheit, in Visan erstklassige Weingärten preiswert zu erwerben. Das Areal gehörte einem alten, kinderlosen Mann. Dort stand nur ein kleines, altes Haus. Der Senior schloss sich anfänglich der Cave coopérative in Visan an und lieferte dort viele Jahre lang die Trauben ab.

Inzwischen war der Sohn herangewachsen, hatte in Avignon und in Montpellier Marketing und Weinbau studiert. Adrien Fabre rannte beim Vater offene Türen ein, als er vorschlug, die Genossenschaft zu verlassen und ein zweites Weingut zu gründen. Peu à peu, damit die Kosten erträglich blieben, entstand die Domaine La Florane. Zuerst wurde das schmucke, moderne Kelterhaus errichtet. Dann folgte daneben das Wohnhaus in mediterranem Stil mit blauen Fensterläden. Dort lebt nun der Sohn, der die Betriebe vor drei Jahren übernahm. Und weil die Leitung zweier Weingüter noch nicht anstrengend genug ist, spielt der 1,83 Meter große und 89 Kilo schwere Mann auch noch Rugby in der Regionalliga.

Ein überwältigender Schluck ist der „À Fleur de Pampre“ (Traubenknospen) von 30 bis 50 Jahre alten Reben. Diese Cuvée aus hauptsächlich Grenache und etwas Syrah beweist wieder einmal mehr, dass die saftigsten, üppigsten, rundesten Rotweine Frankreichs von den Dörfern nördlich von Avignon kommen. Dieses Gewächs, das am Glas fette Schlieren hinterlässt, füllt den Mund völlig aus mit seinen fruchtigen Aromen von Pflaumen und Kirschen. Mandeln, Marzipan und, ganz dezent, Holz sind zu schmecken. Nach dem Hinunterschlucken bleiben wundervolle erdige Töne noch lange am Gaumen hängen. Dazu braucht es eine kräftige Speise, zum Beispiel Nackenbraten vom Landschwein mit gratinierten Kartoffeln.

 

Weininformationen: 

À Fleur de Pampre, Jahrgang 2009, Rebsorte Grenache, Syrah, Anbaugebiet Cotes du Rhone

Analyse 13,5ll Alkohol, 3,8 g Säure, 0,9 g Restzucker (pro Liter)

Trinken bis 2013

Preis ab Lager 7,90 Euro

Adresse Weinzeche, Rotthauser Straße 44, 45309 Essen

Tel.: 0201 / 550024

E-Mail service@weinzeche.de

www.weinzeche.de

 


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