Falkensteins Weinmacher
Und Rebbau am Steilhang rentiert sich doch

Im Jahre 1992 erwarben die beiden Berliner Peter Becker und Christian Held das verlustreiche Weingut Klostermühle in Odernheim an der Nahe. Zunächst mussten beide Lehrgeld zahlen. Der Durchbruch für die Klostermühle stellte sich 1997 ein, als die Berliner den Kellermeister Thomas Zenz engagierten. Heute räumt das Weingut jede Menge Preise ab.
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KÖLN. Am vorigen Freitag wurden bei einem Festakt im Städtchen Rockenhausen die Sieger der 19. Nordpfälzer Weinprämierung gefeiert. Von den drei ersten Preisen nahm Thomas Zenz gleich zwei entgegen, für Burgunder und Riesling trocken. Der 39-Jährige, der sonst schon mal ein bisschen bärbeißig dreinblicken kann, strahlte.

Er ist Kellermeister beim Weingut Klostermühle in Odernheim an der Nahe. Das war früher tatsächlich eine Mühle, die ist aber längst abgebrannt. Und mit Kloster hat der Betrieb insofern zu tun, als er über beste Stücke am Disibodenberg verfügt. Der Hang gehörte einst zu jener frommen Stätte, in der die Mystikerin Hildegard von Bingen wirkte.

1992 stand das Gut zum Verkauf. Die damaligen Besitzer hatten zuletzt nur Verluste eingefahren. Zwei Berliner Juristen, Peter Becker und Christian Held, die gemeinsam eine erfolgreiche Wirtschaftskanzlei betreiben, interessierten sich dafür. Zwei weitere Bekannte schlossen sich ihnen an. Das Geschäft wickelte die damalige Sparkasse Bad Kreuznach ab. Deren Leiter versuchte nicht, den Handel schönzureden. Rebbau am Steilhang zu betreiben rentiere sich nicht, warnte er. Die Freunde ließen sich dennoch nicht von ihrem Abenteuer abbringen.

900 000 Mark kostete die Erwerbung damals, „zuzüglich einer Menge Lehrgeld“, wie Christian Held zugibt. Erst nach und nach stellten die Berliner fest, dass die Reben lange nicht mehr ordentlich gepflegt worden waren. Und dass es an dem Betriebsgebäude viel auszubessern gab. Als schwierig erwies sich am Anfang auch der Vertrieb. Die Vorbesitzer hatten ihre Bestände an Wein zuletzt verschleudert. Da füllten sich die alten Kunden gleich den ganzen Keller – und kamen also auf Jahre hinaus als Abnehmer nicht mehr infrage.

Es lag nahe, die in der Kanzlei aufgebauten Beziehungen spielen zu lassen, um genussfähige Menschen mit den Erzeugnissen der Klostermühle vertraut zu machen. Doch da gab es Bedenken. Held erzählt: „Das eine mit dem anderen zu vermengen hätte womöglich zu Interessenkonflikten geführt.“ Außerdem verspürten er und seine Partner keine Lust, als Hobbywinzer belächelt zu werden, deren Weine man nicht unbedingt ernst nehmen müsse.

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