Falkensteins Weinmacher
Wein eines Traditionalisten

Uwe Schiefer und seine Frau haben beide keine fachliche Ausbildung als Winzer - leisten aber als Wein-Amateure Beachtliches. Ihr Tropfen aus dem österreichischen Burgenland bekommt sogar von US-Kritiker Robert M. Parker Bestnoten. Der Österreicher aber bleibt bescheiden: Seine wichtigste Zutat ist die Zeit.
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Schiefer stammt aus Großpetersdorf in Südburgenland. Mit Wein hatte er zuerst einmal nichts zu schaffen. Seine Kindheit verbrachte er in dem kleinen Reich des Vaters, wozu ein Landhandel, eine Tankstelle und eine Gastwirtschaft gehörten. Der junge Mann ging ins Salzkammergut, studierte Tourismus und Hotelfach, arbeitete sich schnell hoch und landete im Service vom „Steirereck“, dem besten Wiener Restaurant. „Dort packte mich dann der Wein-Virus“, erzählt der 41-Jährige.

Schiefer kredenzte den Gästen überragende Gewächse aus aller Welt. Nur aus seiner Heimat war nichts auf der Karte. Das südliche Burgenland lag damals wirtschaftlich am Boden. Obwohl die Winzer damit nichts zu tun hatten, litten sie unter den Folgen des Glykol-Skandals von 1985. Niemand kaufte Wein. Die Jugend floh nach Wien. Wer blieb, hielt sich mit Landwirtschaft über Wasser. Gäste von außerhalb ließen sich, anders als heute, nicht blicken.

Als der junge Schiefer mal wieder die Eltern besuchte, kaufte er sich einen kleinen Rebgarten und versuchte sich an einem eigenen Blaufränkisch. Der Erstling ließ sich trinken. Für hohe Ansprüche reichte es nicht. Doch Schiefers Ehrgeiz war geweckt. In seiner knappen Freizeit studierte er alle erreichbare Fachliteratur und fragte sich bei namhaften Gütern im Lande durch. Er kaufte Reben hinzu und fand auch Abnehmer für seine Flaschen. Dann lernte er Margit Benkö kennen, eine Kollegin aus dem Hotelfach. Sie ermunterte ihn, das Hobby zur Profession zu machen – und wurde bald seine Frau.

1997 erwarben sie einen hübschen alten Bauernhof zu einem günstigen Preis. Ein Kellerhaus wurde gebaut. Die Rebfläche wuchs. 7,5 Hektar sind es jetzt. Das bringt knapp 50 000 Flaschen im Jahr und „mehr will ich nicht“, sagt Schiefer. Eine fachliche Ausbildung haben beide nicht, leisten aber als Amateure Beachtliches. Sogar US-Wein-Kritiker Robert M. Parker vergab dem Wein Bestnoten.

Schiefer bezeichnet sich als „unverbesserlichen Traditionalisten“. Gut, er hat eine hochmoderne Presse, aber ansonsten schwört er aufs große Holzfass. Seine Weine sind sämtlich spontan vergoren mit den natürlichen, vom Rebberg stammenden Hefen. Enzyme oder Schönungsmittel gibt es bei ihm nicht. Seine wichtigste Zutat sei die Zeit, sagt er. Von seinem Haus guckt er auf den Königsberg. Der Südosthang besitzt „alle Parameter, um einen Wein mit Herkunftscharakter zu erzeugen“, lobt Schiefer. Der schiefrige Boden ist reich an Mineralien wie Quarzdolomit, Eisen und Magnesium. Der Blaufränkisch von dort besticht mit intensiven Brombeer-Aromen. Liebstöckel und Bohnenkraut sind zu schmecken, auch ein Hauch Mandel und Veilchen. Das Holz ist nur angedeutet. Die erdigen Töne erinnern an einen herbstlichen Waldboden, an Moos und Tannennadeln. Eine kecke Säure macht den Wein wunderbar frisch. Dekantieren ist dringend zu empfehlen. Der vorweihnachtliche Gänsebraten passt perfekt dazu.

Königsberg:

Jahrgang 2008
Rebsorte: Blaufränkisch
Anbaugebiet: Österreich - Südburgenland
Analyse: 13,1ll Alkohol, 5,6 g Säure, 1,2 g Restzucker (pro Liter)
Trinken bis 2012
Preis ab Lager 9,90 Euro Kössler & Ulbricht
Adresse Nordostpark 78
90411 Nürnberg
Tel.: 0911 / 525153
Fax: 0911 / 529874
info@weinhalle.de
www.weinhalle.de

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