Falkensteins Weinmacher
Wein mit S-Klasse Siegel

Der ehemalige technische Zeichner Thomas Müller bewährt sich derzeit mit seinen Weinen als Spitzenwinzer. Seine neuste Kreation: Ein Riesling aus der kaum bekannten Lage Bienengarten in Güls. Der wurde sogar mit dem S-Klasse-Titel, einer Auszeichnung für erlesene Riesling-Weine, prämiert. Zu Recht: Der einfache Qualitätswein ist ein geschmackliches Wunder.
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KÖLN. "Das ist toll", rief Thomas Ybald aus und lobte überschwänglich: "Der Junge hat's wirklich verdient." Der Leiter der Qualitätsweinprüfstelle in Koblenz wirkte als Tester mit beim alljährlichen Untermosel-Wettbewerb der Industrie- und Handelskammer. Und es freute ihn, dass Thomas Müller aus Güls den ersten Platz errungen hatte. "Ich beobachte den jungen Mann seit ein paar Jahren. Der ist uns schon öfter mit seinem tollem Riesling aufgefallen."

Thomas Müller, 27 Jahre alt, ist ein eher stiller, fast schüchtern auftretender Mensch, der ein gestochenes Hochdeutsch spricht. Sein erster Beruf war technischer Zeichner. Denn Vater Helmut hatte ihm dazu geraten. Der Senior sah damals noch keine rechte Zukunft für sich im Weinbau. In der näheren Umgebung hatte ein Winzer nach dem anderen aufgegeben. Und sein Sohn Thomas arbeitete bei der Stadt Koblenz. Doch Thomas war damit unzufrieden: "Mir fiel da die Decke auf den Kopf." Er blühte erst auf, wenn er am Wochenende in den Reben arbeiten konnte.

Also sattelte er um, sah sich bei verschiedenen Gütern nach einer Lehrstelle um und landete schließlich bei der Wein-Hochschule in Geisenheim. Aber nicht als Student, sondern als Praktikant. Er durchwanderte dort erst mal alle Abteilungen. Zu seinem Glück. "Eine umfassendere Ausbildung hätte ich mir nicht wünschen können", erzählt er. Die Prüfung danach zum Weinbautechniker in Bad Kreuznach bestand er souverän. Seit 2006 ist er nun im elterlichen Gut mitverantwortlich.

In all den Lehrjahren ging er schon dem Vater zur Hand und setzte Neuerungen im Weingut Toni Müller durch. So zurückhaltend der Sohn auch wirkt - er weiß sich gegen den kantigen Senior doch durchzusetzen. Nach anfänglichem Zögern ließ sich Helmut Müller von der Begeisterung seines Sohnes anstecken. Er gab die Landwirtschaft dran, die doch nichts mehr einbrachte. Nur den Obstbau behielt er noch.

In gemeinsamer Anstrengung wurde der Keller erneuert. Weingärten kamen hinzu, alle in besten, steilen Lagen. Vier Hektar sind es nun, das ist nicht eben viel. "Aber wenn die ganze Familie mitmacht, reicht das gut zum Leben", rechnet der Vater vor. Es gelang, die meisten Kunden zu ermuntern, direkt im Weingut einzukaufen. So fallen keine großen Vertriebskosten an. Die meisten Abnehmer kommen ohnedies aus dem benachbarten Koblenz.

Ein treffliches Marketinginstrument sind die "Probiertage" im Sommer. Einladungen zum Fest im alten Hof gehen hinaus. Da hat Mutter Maria ihre Bühne. Sie organisiert alles, Tochter Angela macht freudig mit. Ein Caterer bringt Essen vorbei. Die zahlenden Gäste dürfen nippen soviel sie wollen. Am Ende gibt es reichlich Bestellungen. Von den Einnahmen bleiben sogar ein paar Euro übrig. Und die nachhaltige Werbung hat nichts gekostet.

Anno 2003 hatte der Weinbauverband Mosel-Saar-Ruwer eine neue "S"-Klasse ins Leben gerufen. Diesen Titel bekommen nur erlesene Riesling-Weine von Steillagen. Hohe Traubenreife und ein harmonisch-trockener Geschmack sind die Voraussetzung. Den kreisrunden Aufdruck mit dem "S" gibt es nach kritischer Verkostung. "Als ich davon in der Fachpresse las, habe ich sofort beschlossen, dass wir da mitmachen", erinnert sich Thomas Müller. Sein Sieger-Riesling von der kaum bekannten, aber hervorragenden Lage Bienengarten in Güls gehört in diese Klasse. Der köstliche Schluck wird als einfacher Qualitätswein angeboten, ist aber eigentlich eine Auslese - und ein geschmackliches Wunder obendrein.

Obwohl er mit 13,4 Prozent nicht zu knapp Alkohol hat, wirkt er zart und verspielt. Zur Frucht von Boskopäpfeln und Pfirsich kommt reichlich Würze. Minze und Pfefferkraut sind da zu schmecken. Feine erdige Töne vom Mosel-Schiefer mischen sich ein. Kalbfleischbällchen in einer milden Käsesauce munden bestens dazu.

Gülser Bienengarten "S"

Jahrgang 2008
Rebsorte: Riesling
Anbaugebiet: Mosel
Analyse: 13,4ll Alkohol, 7,3 g Säure, 8,7 g Restzucker (pro Liter)
Trinken bis: 2011
Preis ab: Hof 6,90 Euro
Adresse: Weingut Toni Müller, 56072 Koblenz, Am Mühlbach 96
Tel.: 0261 / 408808
Fax: 0261 / 5798922
weinguttmueller@t-online.de

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