Falkensteins Weinmacher
Winzer im Himmelreich

Der Aufbau des Weingutes Herxheimer Himmelreich war beschwerlich, doch für den pfälzischen Winzer Edwin Bohnenstiel haben sich die harten Jahre gelohnt. Sein Kabinett-Weißburgunder ist ein geschmacklicher Traum - der edle Tropfen nimmt es auch mit exotisch gewürzten Speisen auf.
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KÖLN. Edwin Bohnenstiel kann überzeugend darlegen, dass er ein zufriedener Mensch ist. Schon seine helle, pfälzisch-fröhliche Stimme macht Laune. Der 52-jährige Winzermeister im pfälzischen Herxheim geht in seiner Arbeit auf. Wenn machbar, ist er täglich in den Reben, schneidet da, richtet dort und freut sich, wenn alles wohl gedeiht. Sonntags radelt er durch die Fluren und genießt den Blick in die weite Rheinebene bis hin zum Odenwald. Steckenpferde? "Wieso denn, gibt es ein schöneres Hobby als einen Weinberg?" lacht er.

Bohnenstiel ist stolz auf Haus und Hof. Gerne führt er Gäste durch den vor Edelstahl blinkenden Keller mit den langen Reihen von Barriques. Die Hälfte der Erzeugung sind Rotweine. Er setze das Holz aber "nur ganz dezent" ein, betont er. Sohn Michael schaut herein. Der Junge macht derzeit eine Lehre bei angesehenen Pfälzer Gütern. Die Nachfolge ist also gesichert.

Dem frohgemuten, drahtigen Menschen ist nicht anzusehen, dass er brutale Jahre hinter sich hat. Als junger Mann wollte er gar nicht selbstständig werden, dachte vielmehr daran, als Verwalter in großen Betrieben zu arbeiten, vielleicht sogar im Ausland. Die Enge des Elternhauses mitten im Dorf bedrückte ihn. Vater Kurt hatte nur wenig Rebland. Der größere Teil der Trauben ging an eine benachbarte Kellerei. Der Rest wurde billigst über die Flasche vermarktet.

Der Senior bedrängte den Sohn zu bleiben. Grobe Auseinandersetzungen blieben nicht aus. Allmählich reifte der Plan, ein ordentliches Weingut zu gründen. Es ist wohl viel Wein geflossen, bis der Gemeinderat endlich zustimmte, einen aufgegebenen Sportplatz am Nordrand des Ortes bereitzustellen. 1997 begannen die Bauarbeiten. Winzerkollegen weissagten, dass er scheitern werde. "Oft genug habe ich selbst nicht mehr gewusst, wie es weitergehen sollte", erinnert sich Edwin Bohnenstiel.

Geld war nur wenig vorhanden. Bausparverträge und Sparbücher wurden zusammengelegt. Das Kulturamt in Neustadt an der Weinstraße, zuständig für Entwicklung im ländlichen Raum, gab 200 000 Mark zu drei Prozent Zinsen. Das Darlehen ist nächstes Jahr zurückgezahlt. Der Rest war Nachbarschaftshilfe und harte Eigenleistung. Wenn Bohnenstiel vom Weinberg zurückkam, ging die Arbeit erst richtig los. Den Kanal hat er selbst gelegt.

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