Falkensteins Weinprobe
Allerliebstes Spiel im Glas

Götz Blessing stammt aus Göppingen, aus einer Ecke Württembergs also, in der es besonders pietistisch zugeht. Beide Eltern waren Lehrer. "Sie können sich denken", spöttelt der 47-Jährige, "dass ich eine sehr behütete Kindheit hatte."

Sein Wunsch, Winzer zu werden, obwohl es in der Familie keinen Rebstock gab, war "sicher eine Art Trotzreaktion". Blessing absolvierte die Weinbau-Hochschule in Geisenheim, die auch als Eheschmiede einen guten Ruf hat. Von dort lotste ihn die hübsche Winzertochter Ruth Göttelmann vor 25 Jahren nach Langenlonsheim an die Nahe.

Der Schwiegervater lieferte damals noch einen großen Teil der Ernte bei Deutschlands größtem Weinversender Pieroth ab - was bis 1985 ein gutes Geschäft war. Beim Glykol-Skandal, in dem sich auch Pieroth verheddert hatte, brach alles zusammen. Die jungen Eheleute setzten kurz entschlossen durch, ab sofort den gesamten Wein selbst zu vermarkten.

Über die anfänglichen Schwierigkeiten halfen sich die Blessings mit einer Straußwirtschaft hinweg, einer einfachen Weinkneipe. Sie brachte zusätzliches Geld und lockte neue Kunden an. Mittlerweile ist der Göttelmannsche Betrieb arriviert. Er bekam schon hohe Auszeichnungen und wird in den Weinführern freundlichst erwähnt.

Der Ausschank wäre eigentlich nicht mehr nötig. Doch ist die Stätte so beliebt, dass inzwischen eine kleine Gaststätte daraus wurde. Sie ist das Reich von Ruth Blessing-Göttelmann. Die attraktive Frau mit dem schulterlangen, dunklen Haar serviert zu den Gutsweinen pfiffig-ländliche Gerichte. Der Ehemann, mit sportlicher Figur und angegrautem Bürstenschnitt ausgestattet, hilft gerne.

Der hitzige Jahrgang 2003 ist an der Nahe üppig, wenn auch nicht gar so mörderisch schwer wie anderswo geraten. Die Riesling-Spätlese von der prächtigen, mit rötlichen Quarzit-Schiefer-Brocken bedeckten Lage Kapellenberg ist eine tief gestapelte Auslese, bei der steinige Aromen, Minzwürze und Nektarinenfrucht ein allerliebstes Spiel im Glas treiben.

Zu dem in der Analyse trockenen, im Geschmack aber eher milden Wein passt ein Gericht, bei dem Genießer zuerst an ein Pils denken. Also: Tafelspitz mit Markknochen köcheln, kalt stellen und Fett abschöpfen.

Dann im Verhältnis 3 : 1 Kartoffeln und Rote Beete schälen. Erstere grob würfeln, Letztere bleistiftdünn schneiden. Gesalzene Brühe erhitzen, zuerst die Rüben hinein, eine Viertelstunde später die Kartoffeln. Wenn alles gar ist, Crème fraîche, einen knappen Teelöffel Balsamico, eine Prise Zucker, Salz und Pfeffer aus der Mühle zugeben. Das rosa Gemüse mit dem Fleisch servieren.

Der elegante Wein und die etwas derbe Kost harmonieren prächtig. Am nächsten Tag das Mark herauspulen, mit Semmelbrösel, etwas Mehl und einem Ei vermengen. Daraus Klößchen formen und in dem Rest Bouillon kochen.

Vom Vulkanschiefer


Wein

2003er Münsterer Kapellenberg Spätlese trocken Rebsorte Riesling
Anbaugebiet Nahe Analyse 13,1° Alkohol, 6,4 g Säure, 7,5 g Restzucker (pro Liter)
Mindestens haltbar bis Ende 2006
Preis 6,50 Euro
Adresse Weingut Göttelmann, Rheinstraße 77, 55 424 Münster-Sarmsheim, Tel. 06721/43775, Fax - 42605
E-Mail goettelmannwein@aol.com

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