Falkensteins Weinprobe
Auf Platz eins

Bis vor zehn Jahren galt der Cochemer Krampen unter anspruchsvollen Mosel-Freunden als eine unbedingt zu vermeidende Ecke. Das hat sich geändert. Zum Beispiel dank des Weinguts Otto Görgen in Briedern. Von dort kommt der Beilsteiner Riesling - ein im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnetes Tröpfchen.
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Hinter Cochem ragt ein mächtiges Felsmassiv auf, Krampen genannt. Der Zug schafft es dank Kaiser-Wilhelm-Tunnel in drei Minuten von einem bis zum anderen Ende. Mit dem Auto außen herum dauert es fast eine Stunde. Die Strecke bietet allerdings einige landschaftliche Reize. Unbedingt sehenswert ist Beilstein, eine Fachwerk-Idylle, die gänzlich unter Denkmalschutz steht.

Bis vor zehn Jahren galt der Cochemer Krampen unter anspruchsvollen Mosel-Freunden als eine unbedingt zu vermeidende Ecke. Das hat sich geändert. Thomas Ibald von der Weinprüfung in Koblenz vermerkt: "Die Zahl der guten Adressen dort steigt von Jahr zu Jahr. Und wenn wir genauer hinschauen, dann steckt meist ein Generationswechsel dahinter."

Das trifft auch auf das Weingut Otto Görgen in Briedern zu. In den Neunzigern war dies noch ein typischer Krampen-Betrieb mit treuen Kunden, die sich bei Proben im alten Gewölbekeller an lieblichem Trunk labten und anderntags den Kofferraum reichlich mit preiswerten Flaschen füllten. Sohn Matthias wusste schon als Halbwüchsiger, dass er Winzer werden wollte. Er studierte an der Fachhochschule im schwäbischen Weinsberg, ließ sich in Australien den Wind um die Nase wehen und kehrte heim mit der erklärten Absicht, im Gut einiges zu ändern.

"Bis vor zwei Jahren ging es noch ziemlich stressig mit dem Vater zu", berichtet der Junior. Aber nun herrscht Einigkeit. Seit Jahresbeginn ist der 27-Jährige, ein hochgewachsener Schlaks mit gelockten Haaren und einer arg strengen Brille, Inhaber des Gutes.

Voriges Jahr kam eine steile Parzelle am Beilsteiner Silberberg hinzu. Die Reben dort - noch wurzelecht, nicht aufgepfropft - sind mehr als 50 Jahre alt. Matthias Görgen stürzte sich in die Arbeit und erntete goldgelbe, kleinbeerige Trauben. Den Most kühlte er vorsichtig während der Gärung, so dass ein Hauch Süße zurückblieb. Als die Industrie- und Handelskammer zu Koblenz wie jedes Jahr Weine aus dem Umland zum Repräsentieren suchte, stand der Beilsteiner Riesling unter 97 eingereichten Proben auf Platz eins. Zehn gestandene Tester waren sich da einig.

Und er ist auch ein bezauberndes Tröpfchen. Die angedeutete Süße verbindet sich wundervoll mit der pikanten Säure. Bei aller Leichtigkeit verströmt der Riesling ein reiches Spiel von Aromen. Die Pfirsichfrucht mag schier nicht enden. Feine mineralische Töne vom Schiefer mengen sich ein.

Da passen Wachteln gefüllt mit Mett, klein geschnittenen Pfifferlingen und etwas aufgeweichtem Weißbrot. Die Vögelchen werden mit Speck umwickelt und kommen für eine halbe Stunde in den Ofen bei mittlerer Temperatur. Dazu ein Mus von Kürbis und Äpfeln.

Beilsteiner Silberberg

  • Jahrgang:

    2007
  • Rebsorte:

    Riesling
  • Anbaugebiet:

    Mosel
  • Analyse:

    11,2ll Alkohol, 7,5 g Säure, 22,3 g Restzucker (pro Liter)
  • Trinken bis:

    2011
  • Preis ab Weingut:

    8 Euro

Adresse:


Weingut Otto Görgen
Römerstraße 30-32
56820 Briedern
Tel. 026 73/18 09, Fax - 90 00 38
weingut-goergen@t-online.de
www.weingut-goergen.de

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